Jahrgang
Gemeinfrei 2027
Ab dem 1. Januar 2027 frei in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich: die Werke aller, die 1956 starben.
Brecht, Walser, Benn, Pu der Bär, Feininger, Rodtschenko, die Futura, Mizoguchis Filme — und der Satz, den alle für Voltaire halten.
Am 1. Januar 2027 werden in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich die Werke aller frei, die 1956 gestorben sind. Hier ist eine Auswahl von 27 Namen, gereiht nach Bereich, jeder mit den Werken, die man kennen sollte, und mit der Falle, die dazugehört. Die Auswahl kommt aus dem Nekrolog 1956 und der Zahl der Wikipedia-Sprachausgaben; die Todesdaten sind gegen Wikidata geprüft.
Bilder zeigt diese Seite noch keine: bis zum 31. Dezember sind Feininger, Rodtschenko und Nolde geschützt. Ab Januar kommen sie dazu.
Literatur
Bertolt Brecht † 14. August 1956
Die Gedichte der „Hauspostille“ (1927), „Mutter Courage und ihre Kinder“ (uraufgeführt 1941 in Zürich), die Geschichten vom Herrn Keuner.
Aber: Brecht schrieb selten allein. Elisabeth Hauptmann (†1973) gilt als Mitautorin der „Dreigroschenoper“ (1928) und ist Hauptautorin von „Happy End“; am „Guten Menschen von Sezuan“ arbeiteten Ruth Berlau (†1974) und Margarete Steffin mit. Wo eine Mitautorin länger lebte, läuft die Frist nach ihr.
Elisabeth Hauptmann — WikipediaA. A. Milne † 31. Januar 1956
„Winnie-the-Pooh“ (1926) und „The House at Pooh Corner“ (1928), mit Tigger.
Aber: Nur der Text. E. H. Shepards Zeichnungen bleiben bis Ende 2046 geschützt, Disneys Fassungen und Marken ohnehin.
Alan Alexander Milne — WikipediaRobert Walser † 25. Dezember 1956
Die Romane „Der Gehülfe“ (1908) und „Jakob von Gunten“ (1909), die Erzählung „Der Spaziergang“ (1917) und hunderte Prosastücke — ein Schweizer, der am Weihnachtstag 1956 im Schnee bei Herisau starb.
Aber: Die winzig beschriebenen Mikrogramme („Aus dem Bleistiftgebiet“) haben Bernhard Echte und Werner Morlang 1985–2000 entziffert und herausgegeben. Walsers Text wird frei; heutige Ausgaben mit Kommentar und Entzifferung sind eigene Arbeit und vor einer Übernahme zu prüfen.
Robert Walser — WikipediaGottfried Benn † 7. Juli 1956
„Morgue und andere Gedichte“ (1912), der Novellenband „Gehirne“ (1916), „Statische Gedichte“ (1948).
Gottfried Benn — WikipediaEvelyn Beatrice Hall † 13. April 1956
„The Life of Voltaire“ (1903) und „The Friends of Voltaire“ (1906), beide unter dem Namen S. G. Tallentyre.
Aber: Aus „The Friends of Voltaire“ stammt der Satz „I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it“. Er gilt als Voltaire-Zitat, ist aber Halls Zusammenfassung seiner Haltung. Wer ihn verwendet, zitiert Hall.
Evelyn Beatrice Hall — WikipediaH. L. Mencken † 29. Januar 1956
„The American Language“ (1919) und die Essayreihe „Prejudices“ (1919–1927) — bissige Prosa über Amerika.
H. L. Mencken — WikipediaWalter de la Mare † 22. Juni 1956
Die Gedichtbände „The Listeners“ (1912) und „Peacock Pie“ (1913), der Roman „Memoirs of a Midget“ (1921).
Walter de la Mare — WikipediaMax Beerbohm † 20. Mai 1956
Sein einziger Roman „Zuleika Dobson“ (1911), „The Happy Hypocrite“ (1897) und seine Karikaturen.
Max Beerbohm — WikipediaPío Baroja † 30. Oktober 1956
„El árbol de la ciencia“ (1911, deutsch „Der Baum der Erkenntnis“).
Aber: In Spanien gilt für alle, die vor dem 7. Dezember 1987 starben, noch die alte Frist von 80 Jahren: dort ist Baroja erst ab 2037 frei.
Copyright law of Spain — WikipediaGiovanni Papini † 8. Juli 1956
„Storia di Cristo“ (1921), ein internationaler Bestseller, und der autobiografische Roman „Un uomo finito“.
Giovanni Papini — Wikipedia (en)Jakub Kolas † 13. August 1956
Die Versepen „Novaja zjamlja“ („Neue Erde“, 1923) und „Symon-Musyka“ (1925) des belarussischen Nationaldichters.
Jakub Kolas — WikipediaAino Kallas † 9. November 1956
„Barbara von Tisenhusen“ (1923), „Reigin pappi“ (1926, „Der Pfarrer von Roicks“) und „Sudenmorsian“ (1928).
Aino Kallas — Wikipedia
Bild und Gestaltung
Lyonel Feininger † 13. Januar 1956
Der Holzschnitt „Die Kathedrale des Sozialismus“ zum ersten Bauhaus-Manifest (1919), die Gelmeroda-Bilder (1913–1936) und seine frühen Comics „The Kin-der-Kids“ und „Wee Willie Winkie’s World“ (1906, Chicago Sunday Tribune).
Lyonel Feininger — WikipediaAlexander Rodtschenko † 3. Dezember 1956
Das Werbeplakat für den Lengiz-Verlag („Knigi“ — Bücher, 1924) und die Fotomontagen zu Majakowskis „Pro eto“ (1923).
Aber: Mit Majakowski (†1930) entstanden rund 50 Plakate, die sind frei. Gemeinsame Arbeiten mit Warwara Stepanowa (†1958) bleiben bis Ende 2028 geschützt.
Alexander Rodtschenko — WikipediaPaul Renner † 25. April 1956
Die Schrift Futura, entworfen 1924–1926, 1927 von der Bauerschen Giesserei herausgebracht.
Aber: Frei wird der Entwurf. Der Name „Futura“ ist eine Marke und kann weiterlaufen, und eine heutige Schriftdatei ist die Arbeit dessen, der sie gebaut hat.
Futura (Schriftart) — WikipediaJosef Hoffmann † 7. Mai 1956
Die Entwürfe der Wiener Werkstätte (gegründet 1903), das Sanatorium Purkersdorf (1904–05) und das Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911).
Aber: Möbel wie „Kubus“ und „Fledermaus“ fertigt Wittmann seit den 1970er-Jahren mit Rechten von Hoffmanns Witwe, Leuchten WOKA unter Lizenz der Josef-Hoffmann-Stiftung. Namen und Marken dieser Hersteller bleiben.
Josef Hoffmann (Architekt) — WikipediaEmil Nolde † 13. April 1956
Die Blumen- und Meerbilder, die Aquarelle und die sogenannten „Ungemalten Bilder“.
Aber: Nolde war Mitglied der NSDAP Nordschleswig und Antisemit; nach 1945 liess er entsprechende Stellen aus seiner Autobiografie streichen. Wer ihn zeigt, sollte das mitsagen.
Emil Nolde — WikipediaJackson Pollock † 11. August 1956
Die Drip Paintings, etwa „Kathedrale“ (1947) und „Autumn Rhythm (Number 30)“ (1950).
Aber: Frei in Europa. In den USA zählt bei Werken bis 1977 die Veröffentlichung, und wann ein Gemälde dort als veröffentlicht gilt, ist eine eigene Frage — offen.
Jackson Pollock — WikipediaMarie Laurencin † 8. Juni 1956
Ihre Gemälde, die Ausstattung des Balletts „Les Biches“ der Ballets Russes und Buchillustrationen, darunter zu „Alice im Wunderland“.
Marie Laurencin — WikipediaJean Metzinger † 3. November 1956
Kubistische Bilder wie „Le goûter (Tea Time)“ (1911) und „La Femme au Cheval“ (1911–12).
Aber: Die Schrift „Du Cubisme“ (1912) schrieb er mit Albert Gleizes; für sie zählt auch dessen Frist.
Jean Metzinger — Wikipedia (en)Alex Raymond † 6. September 1956
Seine Zeichnungen zu „Flash Gordon“ und „Jungle Jim“ (ab Januar 1934), „Secret Agent X-9“ (1934–35) und „Rip Kirby“ (ab 1946).
Aber: Die Texte zu X-9 schrieb Dashiell Hammett, dessen Frist gesondert läuft; wer bei Flash Gordon die Texte schrieb, ist noch nicht geklärt. Namen und Marken gehören King Features.
Alex Raymond — Wikipedia
Musik
Reinhold Glière † 23. Juni 1956
Das Ballett „Der rote Mohn“ (1927), die Sinfonie Nr. 3 „Ilja Muromez“ (1911) und das Konzert für Koloratursopran (1943).
Reinhold Glière — WikipediaGustave Charpentier † 18. Februar 1956
Die Oper „Louise“ (1900, Opéra-Comique) — Musik und Libretto, das er selbst schrieb; der Mitautor Saint-Pol-Roux starb 1940.
Louise (opera) — Wikipedia (en)Victor Young † 10. November 1956
Die Musik zu „Stella by Starlight“ (1944) und „When I Fall in Love“ (1952) und die Filmmusik zu „In 80 Tagen um die Welt“ (1956).
Aber: Nur die Musik. Die Liedtexte stammen von Ned Washington (†1976) und Edward Heyman (†1981) und bleiben bis 2046 bzw. 2051 geschützt.
Victor Young — Wikipedia
Film
Kenji Mizoguchi † 24. August 1956
„Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond“ (1953) und „Sansho Dayu“ (1954) — in der Schweiz frei, weil dort beim Film nur die Regie zählt.
Aber: In Deutschland zählen auch die Drehbuchautoren, darunter Yoshikata Yoda (†1991): dort bleiben die Filme bis Ende 2061 geschützt.
Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond — WikipediaOleksandr Dowschenko † 25. November 1956
Die Ukraine-Trilogie „Swenigora“ (1928), „Arsenal“ (1929) und „Erde“ (1930).
Aber: In der Schweiz frei, weil die Regie zählt. In Deutschland sind Drehbuch und Musik einzeln zu prüfen.
Oleksandr Dowschenko — WikipediaAlexander Korda † 23. Januar 1956
„Das Privatleben Heinrichs VIII.“ (1933), bei dem er Regie führte.
Aber: „Der dritte Mann“ (1949) hat Korda nur produziert; Regie führte Carol Reed (†1976). Der Film bleibt in der Schweiz bis Ende 2046 geschützt.
Alexander Korda — Wikipedia
Figuren, die mit ihnen frei werden
Aus dem Register, grob gerechnet: nur der Text der eingetragenen Schöpfer:innen. Zeichnungen, Übersetzungen und Marken sind nicht mitgerechnet.
Pu der Bär · Flash Gordon · Ferkel · I-Aah · Tigger
Quellen
- Nekrolog 1956Wikipedia (de) — Auswahl der Kandidat:innenabgerufen 28.09.2026
- Todesdaten (P570) der 27 EinträgeWikidata (CC0)abgerufen 28.09.2026
- Bundesgesetz über das Urheberrecht (URG), Art. 29–32fedlex
- UrhG § 65 — Miturheber, Filmwerke
Stand 28. September 2026. Todesdaten aus Wikidata (P570). Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.