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Figur

Bambi

Felix Salten (1869–1945) · erster Auftritt: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde, 1922/23

Das Reh aus dem Wald, erzählt für Erwachsene — Felix Salten schrieb es in Wien, starb im Zürcher Exil, und Disney machte daraus etwas anderes.

  • Typ Tier
  • Motiv Erwachsenwerden
  • Motiv Der Mensch als Gefahr
  • Epoche Wien der Zwischenkriegszeit
Umschlag der Erstausgabe, Ullstein, Berlin 1923 — Hans Bertle
Umschlag der Erstausgabe, Ullstein, Berlin 1923 — Hans BertleHans Bertle, 1923 · Public domain · Commons

Die Figur

Ein Rehkitz wird im Dickicht geboren, wächst behütet auf, verliert seine Mutter an die Jäger, findet eine Gefährtin, Faline, und lernt vom alten Fürsten, allein und wachsam zu leben. Durch das ganze Buch geht der Mensch als unberechenbare, tödliche Macht, die nur „Er“ heisst. Felix Salten schrieb das Buch für Erwachsene, und es wird auch als Gleichnis auf die Verfolgung der Juden gelesen.

Bambi ist bei Salten ein Reh. Seine Mutter bringt ihm Wald und Wiese bei; mit Tante Ena und ihren Zwillingen Faline und Gobo sieht er zum ersten Mal die Fürsten, die Hirsche, und erfährt, dass es die Väter sind. Im Winter treiben Jäger den Wald, die Mutter stirbt, Gobo verschwindet. Er kommt im nächsten Sommer zurück, von einem Menschen aufgezogen und mit einem Halfter, hält Ihn für einen Freund und wird auf der Wiese erschossen.

Bambi lernt vom alten Fürsten, Schlingen zu lösen und auf der Flucht Kreise zu laufen, bis die Blutung aufhört. Am Ende führt ihn der Alte zu einem Wilderer, den ein anderer Mensch erschossen hat, und zeigt ihm, dass Er nicht allmächtig ist. Dann geht der Alte sterben. Im letzten Kapitel trifft Bambi zwei Kitze, die nach ihrer Mutter rufen, und fragt sie, was der Alte ihn einst gefragt hat.

Wie das Buch erschien

Salten, selbst Jäger, schrieb Bambi nach dem Ersten Weltkrieg. Die „Neue Freie Presse“ in Wien druckte es vom 15. August bis 21. Oktober 1922 in Fortsetzungen, 1923 erschien es als Buch bei Ullstein in Berlin, 1926 neu in Wien. Die englische Ausgabe von 1928 übersetzte Whittaker Chambers, ein Studienfreund des Lektors Clifton Fadiman; Simon & Schuster verkaufte bis 1942 über 650 000 Stück.

1939 folgte „Bambis Kinder“, geschrieben im Schweizer Exil: zuerst auf Englisch, auf Deutsch erst 1940. Die Zwillinge Geno und Gurri haben Saltens eigene Kinder Paul und Anna Katharina zum Vorbild, und Salten selbst kommt darin als besonnener Jäger vor. Seinem amerikanischen Verlag schrieb er, man möge sein Werk nicht als Kinderbuch bewerben. Die Zeichnungen zu beiden Büchern machte Hans Bertle, ein Maler aus Schruns im Montafon: 1923 den Umschlag, 1940 für die Ausgabe bei Albert Müller in Rüschlikon 118 Federzeichnungen.

Salten vor Bambi

Salten hiess bis 1911 Siegmund Salzmann, wurde 1869 in Pest geboren und wuchs in Wien auf. Mit 16 ging er ohne Abschluss vom Gymnasium und arbeitete bei einer Versicherung. Ab 1890 gehörte er im Café Griensteidl zu Jung-Wien, mit Schnitzler, Hofmannsthal, Beer-Hofmann und Bahr, als einziger von ihnen nicht aus grossbürgerlichem Haus. Mit seinen Berichten über die Hofskandale zählte er bald zu den Spitzenjournalisten seiner Zeit, gründete 1901 ein kurzlebiges Kabarett und schrieb ab 1913 Drehbücher.

Salten in Zürich

Salten zog 1938 von Wien nach Zürich, wo seine Tochter mit dem Anwalt Veit Wyler lebte, und starb dort 1945. Er liegt auf dem Israelitischen Friedhof Unterer Friesenberg; in Zürich-Oberstrass steht seit 1950 ein Bambibrunnen.

Was davon frei ist, und was nicht

Saltens Bambi ist in der Schweiz seit 2016 frei. In den USA dauerte es bis 2022, weil ein Gericht 1996 die spätere Ausgabe von 1926 für massgebend hielt; kurz darauf kam dort ein Horrorfilm heraus.

Nicht frei ist Disneys Bambi von 1942 mit seiner eigenen Gestaltung — und nicht frei ist die englische Übersetzung von Whittaker Chambers, bis Ende 2031. Salten gilt ausserdem als möglicher Autor eines ganz anderen, anonym erschienenen Buchs, der „Josefine Mutzenbacher“ — das ist umstritten.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

Er kam mitten im Dickicht zur Welt, in einer jener kleinen, verborgenen Stuben des Waldes, die scheinbar nach allen Seiten offenstehen, die aber doch von allen Seiten umschirmt sind.
Der erste Satz — Text nach der Ausgabe Fischer Bücherei 1956, Projekt Gutenberg-DE
Dann küßte sie wieder ihr Kind, beruhigt und glücklich. »Bambi«, wiederholte sie, »mein kleiner Bambi.«
Wie Bambi zu seinem Namen kommt. Erstes Kapitel
»Deine Mutter hat jetzt nicht Zeit für dich!« fuhr der Alte fort. Bambi war ganz vernichtet von dieser gebieterischen Stimme, zugleich aber bewunderte er sie. »Kannst du nicht allein sein? Schäme dich!«
Bambi ruft nach der Mutter, und der alte Fürst spricht ihn zum ersten Mal an
»Ob es wahr ist«, meinte das erste, »ob es wohl wahr ist, daß an unserer Stelle andere kommen, wenn wir fort sind, und dann wieder andere und immer wieder . . .«
Zwei Blätter an der Eiche im Herbst
Höre, Bambi, Er ist nicht allmächtig, wie sie sagen. Er ist es nicht, von dem alles kommt, was da wächst und lebt. Er ist nicht über uns!
Der alte Fürst am toten Wilderer im Schnee
Bambi erglühte und sprach bebend: »Ein anderer ist über uns allen . . . über uns und über Ihm.«
Bambis Antwort. Letztes Kapitel
»Eure Mutter hat jetzt keine Zeit«, sagte Bambi streng. Er blickte dem Kleinen in die Augen: »Kannst du nicht allein sein?«
Der Schluss: Bambi, jetzt selbst der Alte, bei zwei fremden Kitzen

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

Bambi, gezeichnet von Hans Bertle, 1940
Bambi, gezeichnet von Hans Bertle, 1940Hans Bertle, 1940 · Public domain · Commons
Umschlag von „Bambis Kinder“ — Hans Bertle, 1940
Umschlag von „Bambis Kinder“ — Hans Bertle, 1940Hans Bertle, 1940 · Public domain · Commons
Schutzumschlag der amerikanischen Ausgabe bei Grosset & Dunlap, 1929
Schutzumschlag der amerikanischen Ausgabe bei Grosset & Dunlap, 1929unbekannt, 1929 · Public domain · Commons
Felix Salten mit Hund, 1891
Felix Salten mit Hund, 1891unbekannt, 1891 · Public domain · Commons
Jung-Wien im Prater, 1892: Fritz Mendl, Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann, Josefine Nebauer, Felix Salten, Julie Laska
Jung-Wien im Prater, 1892: Fritz Mendl, Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann, Josefine Nebauer, Felix Salten, Julie Laskaunbekannt · Public domain · Commons
Felix Salten, gezeichnet von Bertha Czegka, 1902
Felix Salten, gezeichnet von Bertha Czegka, 1902Bertha Czegka, 1902 · Public domain · Commons
Felix Salten in Wien, um 1910 — Ferdinand Schmutzer
Felix Salten in Wien, um 1910 — Ferdinand SchmutzerFerdinand Schmutzer · Public domain · Commons
Salten mit Hut und Gamsbart, um 1910
Salten mit Hut und Gamsbart, um 1910unbekannt · Public domain · Commons
Felix Salten, 1927 — Foto Georg Fayer
Felix Salten, 1927 — Foto Georg FayerGeorg Fayer, 1927-03 · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Der RomanFelix Salten († 1945) · 1922/23In der Schweiz und in Österreich seit 2016 frei. In den USA entschied 1996 ein Gericht, für den Schutz zähle die Ausgabe von 1926 — dort ist das Buch erst seit 2022 frei.Bambi, a Life in the Woodsfrei seit 2016frei seit 2016frei seit 2016frei seit 2022
Der Umschlag der ErstausgabeHans Bertle († 1943) · 1923Bambi book cover.jpgfrei seit 2014frei seit 2014frei seit 2014frei seit 2019
Die 118 Federzeichnungen zur Ausgabe bei Albert Müller, RüschlikonHans Bertle († 1943) · 1940Hans Bertlefrei seit 2014frei seit 2014frei seit 2014geschützt bis Ende 2035
Die Fortsetzung „Bambis Kinder“Felix Salten († 1945) · 1939, deutsch 1940Bambi's Childrenfrei seit 2016frei seit 2016frei seit 2016geschützt bis Ende 2035
Die englische ÜbersetzungWhittaker Chambers († 1961) · 1928Whittaker Chambers (Q1204764)geschützt bis Ende 2031geschützt bis Ende 2031geschützt bis Ende 2031frei seit 2024
Disneys BambiWalt Disney Productions, Regie u. a. David Hand († 1986) · 1942Bambi (1942 film)geschützt bis Ende 2056geschützt bis Ende 2056geschützt bis Ende 2056geschützt bis Ende 2037

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

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Quellen

Stand 30. September 2026. Wikidata: Q27688665. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.