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Figur

Frankenstein und sein Geschöpf

Mary Shelley (1797–1851) · erster Auftritt: Frankenstein; or, The Modern Prometheus, 1818

Der Genfer Student, der ein Wesen erschafft und vor ihm flieht — und das Geschöpf ohne Namen, das sprechen lernt und sich rächt.

  • Typ Monster
  • Typ Wissenschaftler
  • Motiv Der Schöpfer und sein Geschöpf
  • Motiv Wissensdurst
  • Motiv Der Ausgestossene
  • Epoche Romantik
Victor Frankenstein flieht vor seinem Geschöpf — Frontispiz von Theodor von Holst zur Ausgabe von 1831
Victor Frankenstein flieht vor seinem Geschöpf — Frontispiz von Theodor von Holst zur Ausgabe von 1831Theodor von Holst, 1831 · Public domain · Commons

Die Figur

Victor Frankenstein stammt aus einer Genfer Familie. Als Student in Ingolstadt setzt er ein lebendes Wesen zusammen und flieht entsetzt, kaum dass es die Augen öffnet. Das Geschöpf bleibt allein, lernt heimlich sprechen und lesen, wird von allen Menschen zurückgestossen und rächt sich an Victors Familie. Am Ende jagen Schöpfer und Geschöpf einander bis ins Eis der Arktis.

Im Roman hat das Wesen keinen Namen, und es ist wortgewandt: es erzählt seine eigene Geschichte, und die ist der traurigste Teil des Buches. „Frankenstein” heisst nur der Mann, der es gemacht hat.

Entstanden am Genfersee

Die Geschichte beginnt in der Schweiz. Im Sommer 1816 mietete Lord Byron die Villa Diodati in Cologny am Genfersee; Mary Shelley, Percy Shelley und John Polidori waren oft dort. Es war das „Jahr ohne Sommer” nach dem Ausbruch des Tambora, man sass drinnen und erzählte sich Gespenstergeschichten. Aus diesen Abenden entstanden Frankenstein und Polidoris The Vampyre. Byron schlug vor, jeder solle eine Gespenstergeschichte schreiben. Mary Shelley, damals 18, fand tagelang keine; dann kam ihr, wie sie 1831 schrieb, in einem Wachtraum das Bild des „bleichen Studenten“, der neben dem Ding kniet, das er zusammengesetzt hat. Nach Berechnungen des Astronomen Donald Olson war das zwischen zwei und drei Uhr morgens am 16. Juni 1816.

Zurück in England, in Bath, wurde aus der Geschichte ein Roman. Das Buch erschien am 1. Januar 1818 anonym in drei Bänden und in nur 500 Exemplaren, gewidmet ihrem Vater William Godwin. Walter Scott lobte die „ungewöhnliche Kraft poetischer Vorstellung“. 1831 brachte Shelley eine stark überarbeitete Fassung unter ihrem Namen heraus, mit einer Einleitung über jenen Sommer.

Wie viel Percy Shelley beitrug, ist seit jeher umstritten. Die Entwürfe liegen seit 2004 in der Bodleian Library in Oxford, und man sieht darin seine Änderungen in dunklerer Tinte. Die Biografin Fiona Sampson, die die Hefte selbst geprüft hat, schreibt, er habe weniger getan als heute ein Lektor.

Mary Shelley

Geboren 1797 als Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, die elf Tage nach der Geburt starb, und des Philosophen William Godwin. Mit sechzehn floh sie mit dem verheirateten Percy Shelley nach Frankreich. Nach Frankenstein schrieb sie weitere Romane, darunter The Last Man (1826), und gab nach Percys Tod dessen Gedichte heraus. Sie starb 1851 in London.

Frankenstein auf Bühne und Leinwand

Schon 1823 kam das Geschöpf auf die Bühne: Presumption; or, the Fate of Frankenstein von Richard Brinsley Peake lief in jener Saison 37 Mal am English Opera House. Mary Shelley sah am 29. August eine Vorstellung, und dem Erfolg des Stücks verdankte der Roman noch im selben Jahr seine zweite Auflage. 1910 drehte J. Searle Dawley für Edison die erste Verfilmung, mit Charles Ogle als Geschöpf, das am Ende vor seinem Spiegelbild verschwindet. Der Film galt lange als verloren, tauchte Mitte der 1970er-Jahre in einer Privatsammlung auf und wurde 2018 von der Library of Congress restauriert.

Der Science-Fiction-Autor Brian Aldiss hält Frankenstein für die erste echte Science-Fiction-Geschichte: der Held trifft eine bewusste Entscheidung und geht ins Labor.

Was davon frei ist, und was nicht

Beide Fassungen des Romans sind frei, ebenso die Handschriften, Peakes Bühnenstück, der Edison-Film von 1910 und das Frontispiz von Theodor von Holst. Wer daraus zitiert, sagt besser, aus welcher: die von 1831 zeichnet Victor anders als die von 1818.

Das Monster, das alle kennen — flacher Schädel, Narben, Bolzen im Hals, grüne Haut —, steht nicht im Roman. Es ist das Make-up von Jack Pierce für Boris Karloff im Film von 1931, und Universal hat sich früh Rechte daran gesichert. Wer das Geschöpf nach Shelley beschreibt oder nach Holst zeichnet, ist auf der sicheren Seite.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

Did I request thee, Maker, from my clay / To mould me man? Did I solicit thee / From darkness to promote me?
Das Motto auf dem Titelblatt, aus Miltons „Paradise Lost“ — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
It was on a dreary night of November, that I beheld the accomplishment of my toils.
Die Nacht der Erschaffung. Band I, Kapitel IV — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
Remember, that I am thy creature: I ought to be thy Adam; but I am rather the fallen angel, whom thou drivest from joy for no misdeed.
Das Geschöpf zu Victor auf dem Mer de Glace. Band II, Kapitel II — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
I was benevolent and good; misery made me a fiend. Make me happy, and I shall again be virtuous.
Das Geschöpf. Band II, Kapitel II — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
You are my creator, but I am your master;—obey!
Das Geschöpf, nachdem Victor die Gefährtin zerstört hat. Band III, Kapitel III — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
Beware; for I am fearless, and therefore powerful.
Band III, Kapitel III — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
“It is well. I go; but remember, I shall be with you on your wedding-night.”
Band III, Kapitel III — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
He was soon borne away by the waves, and lost in darkness and distance.
Der letzte Satz. Band III, Kapitel VII — Erstausgabe 1818 — Originaltext bei Project Gutenberg
I saw—with shut eyes, but acute mental vision,—I saw the pale student of unhallowed arts kneeling beside the thing he had put together.
Mary Shelley über den Wachtraum, aus dem das Buch entstand. Einleitung zur Ausgabe von 1831 — Originaltext bei Project Gutenberg
And now, once again, I bid my hideous progeny go forth and prosper.
Einleitung zur Ausgabe von 1831 — Originaltext bei Project Gutenberg

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

Titelblatt der Erstausgabe, erster von drei Bänden, London 1818 — ohne Namen der Autorin, mit dem Motto aus Miltons „Paradise Lost“
Titelblatt der Erstausgabe, erster von drei Bänden, London 1818 — ohne Namen der Autorin, mit dem Motto aus Miltons „Paradise Lost“unbekannt; gedruckt für Lackington, Hughes, Harding, Mavor & Jones, 1818 · Public domain · Commons
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Eine Seite aus Mary Shelleys Entwurf, 1816/17 — die dunklere Tinte sind Percy Shelleys Änderungen. Die Hefte liegen in der Bodleian LibraryMary Shelley, mit Änderungen von Percy Bysshe Shelley · Public domain · Commons
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Charles Ogle als Geschöpf im Edison-Film von 1910 — lange für verloren gehaltenunbekannt; Film von J. Searle Dawley, 1910 · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Der Roman in der Fassung von 1818Mary Shelley († 1851), anonym erschienen · 1818Frankensteinfreifreifreifrei
Die überarbeitete Fassung von 1831Mary Shelley († 1851) · 1831Frankenstein (Roman)freifreifreifrei
Das Frontispiz der Ausgabe von 1831Theodor von Holst († 1844) · 1831Theodor von Holstfreifreifreifrei
Die Handschriften des RomansMary Shelley († 1851), mit Änderungen von Percy Bysshe Shelley († 1822) · 1816–1817Beide starben vor über 170 Jahren; in den USA sind auch unveröffentlichte Handschriften 70 Jahre nach dem Tod frei. Eine heutige Edition, etwa die der Bodleian von 2008, ist die Arbeit ihrer Herausgeber.Frankensteinfreifreifreifrei
Presumption; or, the Fate of Frankenstein, BühnenstückRichard Brinsley Peake († 1847) · 1823Presumption; or, the Fate of Frankensteinfreifreifreifrei
Frankenstein, der erste FilmEdison Studios, Regie und Drehbuch J. Searle Dawley († 1949) · 1910Frankenstein (1910 film)frei seit 2020frei seit 2020frei seit 2020frei
Erste deutsche ÜbersetzungHeinz Widtmann · 1912Die Lebensdaten des Übersetzers sind nicht bekannt; ohne Todesjahr lässt sich die Frist nicht rechnen.Frankenstein (Roman) — Übersetzungenoffenoffenoffenfrei
Der Film von James Whale mit Boris KarloffUniversal, Regie James Whale († 1957) · 1931In der Schweiz zählt beim Film nur die Regie. In Deutschland zählen auch Drehbuch, Dialog und eigens komponierte Musik; die sind hier nicht einzeln geprüft.Frankenstein (1931 film)geschützt bis Ende 2027offenoffengeschützt bis Ende 2026
Das Monster mit flachem Schädel, Narben und Bolzen im HalsMake-up Jack Pierce für Universal · 1931Dieses Aussehen steht nicht im Roman, es stammt aus dem Film. Universal sicherte sich früh Rechte am Make-up-Entwurf, und 2010 berief sich eine Abmahnung genau auf diese Kombination. Wer das Geschöpf nach Shelley oder nach Holst darstellt, braucht das alles nicht.Frankenstein and Copyright: 5 Things You Should Knowoffenoffenoffenoffen

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

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Quellen

Stand 29. September 2026. Wikidata: Q2021531. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.