Faust
Stoff ohne einzelne Urheber:in · 10 Fassungen und Schichten
Der Gelehrte, der sich dem Teufel verschreibt, um alles zu wissen und zu erleben — ein Stoff, den seit 1587 jede Epoche neu erzählt.
- Typ Gelehrter
- Typ Teufelsbündner
- Motiv Pakt mit dem Teufel
- Motiv Wissensdurst
- Motiv Der Verführer
- Epoche Frühe Neuzeit bis Gegenwart

Der Stoff
Den Faust hat es gegeben. Georg Faust lebte ungefähr von 1480 bis 1541, zog als Wunderheiler, Alchemist, Astrologe und Wahrsager umher und starb wahrscheinlich in oder bei Staufen im Breisgau. Als Geburtsort gilt meist Knittlingen, wo heute ein Faust-Museum steht; genannt werden auch andere Orte. Anders als Agrippa, Trithemius oder Paracelsus war er vor allem als Praktiker bekannt. Von einem „Johann Faust“ schrieb man erst mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod.
Volksbuch und Marlowe
1587 erschien in Frankfurt am Main bei Johann Spies, ohne Verfasser, die Historia von D. Johann Fausten: die Geschichte des Gelehrten, der sich dem Teufel verschreibt und am Ende geholt wird. Das Titelblatt widmet sie „allen hochtragenden / fürwitzigen vnnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel / abschewlichem Exempel / vnnd trewhertziger Warnung“. Das Buch wurde rasch ins Englische übertragen, und nach dieser Übersetzung schrieb Christopher Marlowe sein Drama, gedruckt 1604. Englische Schauspieltruppen brachten es zurück nach Deutschland.
In Auerbachs Keller in Leipzig, heute die zweitälteste Gaststätte der Stadt, hängt seit etwa 1625 ein Tafelbild: Faust mit seinem Pudel, zechend mit Studenten. Goethe studierte von 1765 bis 1768 in Leipzig und ging regelmässig dort hin.
Goethes Faust
Goethe trug den Stoff sein Leben lang mit sich. Eine frühe Fassung, heute Urfaust genannt, entstand um 1775; 1790 erschien Faust. Ein Fragment; der erste Teil 1808 bei Cotta in Tübingen, der zweite 1832, einige Monate nach Goethes Tod, „vollendet im Sommer 1831“, wie das Titelblatt sagt.
Den Rahmen setzt der Prolog im Himmel: Mephisto wettet mit dem Herrn um Fausts Seele, nach dem Muster der Wette um Hiob. Auf der Erde schliesst Faust seine eigene Wette mit Mephisto: Wenn er je zu einem Augenblick sagt „Verweile doch! du bist so schön!“, gehört er ihm. Dazwischen liegt die Gretchentragödie: Faust verführt Margarete, sie wird schuldig und endet im Kerker. Goethe verband so Fausts Suche nach Erkenntnis mit einer Liebesgeschichte, die der alte Stoff nicht kannte. Am Ende des zweiten Teils sagt Faust die Worte der Wette — und wird trotzdem gerettet.
Faust I gilt als eines der bedeutendsten und meistzitierten Werke der deutschen Literatur. Was man heute sagt, ohne an Goethe zu denken — des Pudels Kern, die Gretchenfrage, zwei Seelen in einer Brust —, steht hier oben im Original, jeweils mit der Seite der Erstausgabe.
Faust in Bildern
Rembrandts Radierung eines Gelehrten, der von einer leuchtenden Erscheinung aufblickt, entstand um 1652 und ist unter dem Namen „Faust“ bekannt. Eugène Delacroix zeichnete 1828 eine Folge von Lithografien zu Goethes Faust, dunkel, bewegt, mit einem Mephisto, der über den Dächern fliegt. Harry Clarke illustrierte 1925 eine englische Ausgabe mit acht Farbtafeln und über 70 Bildern in Schwarzweiss, fast ornamental.
Auf Bühne und Leinwand
Charles Gounods Oper, uraufgeführt am 19. März 1859 am Théâtre Lyrique in Paris, macht aus dem Stoff vor allem die Geschichte von Faust und Marguerite. F. W. Murnau drehte 1926 für die Ufa Faust — eine deutsche Volkssage mit Gösta Ekman als Faust, Emil Jannings als Mephisto und Camilla Horn als Gretchen. Es war die aufwendigste und teuerste Ufa-Produktion, bis Metropolis sie im Jahr darauf übertraf, und zuerst ein Misserfolg. 1947 machte Thomas Mann aus dem Stoff den Roman über den Komponisten Adrian Leverkühn, und 1960 wurde die Hamburger Inszenierung mit Gustaf Gründgens als Mephisto verfilmt.
Was davon frei ist, und was nicht
Den Stoff selbst, den Pakt, den Gelehrten, den Teufel, kann niemand besitzen. Frei oder geschützt sind die Fassungen, jede für sich. Wer heute einen Faust schreibt, darf aus dem Volksbuch, aus Marlowe, aus Goethe und aus Gounods Libretto nehmen, was er will, im Wortlaut der alten Drucke oder in einer Übersetzung, deren Frist abgelaufen ist. Dasselbe gilt für die Bilder von Rembrandt, Delacroix und Harry Clarke.
Zwei Fassungen zeigen, wie verschieden gerechnet wird. Murnaus Film ist in der Schweiz frei, weil dort beim Film nur die Regie zählt und Murnau 1931 starb. In Deutschland zählt auch eigens komponierte Filmmusik, und Werner Richard Heymann, der die Musik zur Uraufführung schrieb, starb erst 1961. Ob diese Musik dort zum Film zählt, ist offen; falls ja, bliebe der Film in Deutschland bis Ende 2031 geschützt. Wer ihn mit Heymanns Musik zeigt, braucht dafür in jedem Fall eine Erlaubnis, denn die Musik ist ein eigenes Werk. Ob heutige restaurierte Fassungen eigene Rechte tragen, ist ebenfalls offen. Thomas Manns Doktor Faustus ist seit dem 1. Januar 2026 frei, in den USA dagegen voraussichtlich erst 2043, weil dort das Erscheinungsjahr 1947 zählt.
Eine Falle liegt im Bücherregal: Goethes Text ist frei, eine heutige Studienausgabe nicht unbedingt. Kommentar und Einleitung sind eigene Werke. Wer abschreiben will, nimmt einen alten Druck, das Deutsche Textarchiv oder Wikisource.
Aus dem Text
Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.
Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerey und Medicin, / Und leider auch Theologie! / Durchaus studirt, mit heißem Bemühn. / Da steh’ ich nun, ich armer Thor! / Und bin so klug als wie zuvor;
Daß ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält,
Zwey Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, / Die eine will sich von der andern trennen;
Das also war des Pudels Kern!
Ein Theil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Werd’ ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zu Grunde gehn!
Grau, theurer Freund, ist alle Theorie, / Und grün des Lebens goldner Baum.
Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?
Zum Augenblicke dürft’ ich sagen: / Verweile doch, du bist so schön!
Wer immer strebend sich bemüht / Den können wir erlösen;
Das Ewig-Weibliche / Zieht uns hinan.
Was this the face that launch'd a thousand ships, / And burnt the topless towers of Ilium?— / Sweet Helen, make me immortal with a kiss.
Mehr Bilder, alle gemeinfrei

















Was davon frei ist
Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.
| Schicht | CH | DE | AT | US |
|---|---|---|---|---|
| Historia von D. Johann Fausten, das Volksbuchanonym, gedruckt bei Johann Spies, Frankfurt am Main · 1587Anonym erschienen. Bei unbekannter Urheberschaft läuft die Frist ab der Veröffentlichung (URG Art. 31) — hier seit Jahrhunderten abgelaufen.Historia von D. Johann Fausten | frei | frei | frei | frei |
| The Tragical History of Doctor Faustus, DramaChristopher Marlowe († 1593) · Erstdruck 1604Die tragische Historie vom Doktor Faustus | frei | frei | frei | frei |
| Faust I und Faust IIJohann Wolfgang von Goethe († 1832) · 1808 und 1832Faust — Der Tragödie erster und zweiter Teil | frei | frei | frei | frei |
| Die Faust-LithografienEugène Delacroix († 1863) · 1828Eugène Delacroix — Illustrations for Faust (1933.145) | frei | frei | frei | frei |
| Die Ausgabe mit Bildern von Harry ClarkeHarry Clarke († 1931), englischer Text von Bayard Taylor († 1878) · 1925Harry Clarke | frei | frei | frei | frei seit 2021 |
| Heutige Studienausgaben von Goethes FaustHerausgeber:innen und Kommentator:innenGoethes Text ist frei, eine heutige Ausgabe nicht unbedingt: Kommentare und Einleitungen sind eigene Werke, und in Deutschland ist eine wissenschaftlich erarbeitete Textfassung 25 Jahre geschützt (UrhG § 70). Wer abschreibt, nimmt einen alten Druck oder Wikisource.UrhG § 70 — Wissenschaftliche Ausgaben | offen | offen | offen | offen |
| Faust, Oper nach Goethes Faust ICharles Gounod († 1893), Libretto Jules Barbier († 1901) und Michel Carré († 1872) · 1859Faust (Gounod) | frei | frei | frei | frei |
| Faust — eine deutsche Volkssage, StummfilmRegie F. W. Murnau († 1931), Drehbuch Hans Kyser († 1940), Musik zur Uraufführung Werner Richard Heymann († 1961) · 1926In der Schweiz zählt beim Film nur die Regie, und Murnau starb 1931. In Deutschland zählt auch eigens komponierte Filmmusik (UrhG § 65 Abs. 2). Heymann starb 1961; ob seine Musik zur Uraufführung des Stummfilms dazu zählt, ist offen. Falls ja, wäre der Film dort bis Ende 2031 geschützt.Faust — eine deutsche Volkssage | frei | offen | offen | frei seit 2022 |
| Doktor Faustus, RomanThomas Mann († 1955) · 1947Doktor Faustus | frei seit 2026 | frei seit 2026 | frei seit 2026 | geschützt bis Ende 2042 |
| Faust, Verfilmung der Hamburger Inszenierung von Gustaf GründgensRegie Peter Gorski († 2007) · 1960Faust (1960) | geschützt bis Ende 2077 | geschützt bis Ende 2077 | geschützt bis Ende 2077 | geschützt bis Ende 2055 |
Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.
Daraus wurde schon gemacht
- Christopher Marlowe, The Tragical History of Doctor Faustus Drama, um 1590
- Goethe, Faust I und II Drama, 1808, 1832
- Charles Gounod, Faust Oper, 1859
- F. W. Murnau, Faust — eine deutsche Volkssage Stummfilm, 1926
- Thomas Mann, Doktor Faustus Roman, 1947
- Faust mit Gustaf Gründgens als Mephisto Film, 1960
In den anderen Nachschlagewerken
- Johann Wolfgang von Goethe zeitranke
- Thomas Mann zeitranke
- Friedrich Wilhelm Murnau zeitranke
- Zitate aus Goethes Faust zitare
- Goethe zitare
- Thomas Mann zitare
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Quellen
- Faust. Eine Tragödie (1808)Deutsches Textarchiv — Erstausgabe, Volltext und Scansabgerufen 29.09.2026
- Faust. Der Tragödie zweyter Theil (1832)Deutsches Textarchiv — Erstdruck, Volltext und Scansabgerufen 29.09.2026
- The Tragical History of Doctor FaustusProject Gutenberg — Quarto von 1604abgerufen 29.09.2026
- Faust. Eine Tragödie.Wikipedia (de) — Prolog im Himmel, Wette, Gretchentragödieabgerufen 29.09.2026
- FauststoffWikipedia (de) — Urfaust, Fragment, Bearbeitungenabgerufen 29.09.2026
- Auerbachs KellerWikipedia (de)abgerufen 29.09.2026
- Faust (1926 film)Wikipedia (en) — Besetzung, teuerste Ufa-Produktion vor Metropolisabgerufen 29.09.2026
- Johann Georg FaustWikipedia (de) — der historische Faustabgerufen 28.09.2026
- Historia von D. Johann FaustenWikipedia (de)abgerufen 28.09.2026
- Faust — Fassungen und Bearbeitungende.wikisourceabgerufen 28.09.2026
- Die tragische Historie vom Doktor FaustusText und Datierung: Erstausgabe 1604Wikipedia (de)abgerufen 28.09.2026
- Faust. Der Tragödie zweiter Teilveröffentlicht 1832, einige Monate nach Goethes TodWikipedia (de)abgerufen 28.09.2026
- UrhG § 65 — Miturheber, Filmwerkeabgerufen 28.09.2026
- Werner Richard Heymann (Q215570), Hans Kyser (Q1551755), F. W. Murnau (Q55412), Peter Gorski (Q97642)Wikidata (CC0) — Lebensdatenabgerufen 28.09.2026
Stand 29. September 2026. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.
Don Juan
Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Frankenstein und sein Geschöpf