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Figur

Graf Dracula

Bram Stoker (1847–1912) · erster Auftritt: Dracula, 1897

Der Vampir aus den Karpaten, der nach England übersetzt — erzählt ganz aus Briefen, Tagebüchern und Zeitungsausschnitten.

  • Typ Vampir
  • Typ Monster
  • Motiv Der untote Verführer
  • Motiv Die Jagd
  • Motiv Der Fremde im eigenen Land
  • Epoche Viktorianisches England
Max Schreck als Graf Orlok in Murnaus „Nosferatu“, 1922 — der Dracula, den Stokers Witwe verbieten liess
Max Schreck als Graf Orlok in Murnaus „Nosferatu“, 1922 — der Dracula, den Stokers Witwe verbieten liessunbekannt; Film von F. W. Murnau · Public domain · Commons

Die Figur

Der Anwalt Jonathan Harker reist in die Karpaten, um einem Grafen beim Kauf eines Hauses in England zu helfen, und merkt nach und nach, dass sein Gastgeber kein Mensch ist. Dracula setzt nach England über, strandet in Whitby und macht Lucy Westenra zu seinem Opfer. Eine kleine Gruppe um den Arzt Abraham Van Helsing verfolgt ihn bis zurück nach Transsilvanien.

Bram Stoker erzählt das ohne eine einzige Erzählerstimme: der ganze Roman besteht aus Tagebüchern, Briefen, Telegrammen, Logbucheinträgen und Zeitungsausschnitten. So kommen nur Draculas Gegner zu Wort, und besiegt wird er von allen zusammen. Das Buch erschien im Mai 1897 bei Archibald Constable in London, in gelbem Leinen mit roter Schrift, für sechs Shilling.

Wie das Buch entstand

Stoker arbeitete jahrelang daran. Er wollte von Anfang an einen Roman in Briefen und Tagebüchern schreiben, siedelte ihn aber zuerst in der Steiermark an statt in Transsilvanien. Seine Notizen sehen einen deutschen Professor namens Max Windshoeffel vor, der einen „Count Wampyr“ stellt; einer der Vampirjäger sollte von einem Werwolf getötet werden. Im Februar 1892 schrieb er einen Plan mit 27 Kapiteln; da waren alle wesentlichen Teile beisammen. Die Satzvorlage trug noch den Titel The Un-Dead; der Titel wurde in letzter Minute geändert.

1890 verbrachte Stoker Ferien in Whitby an der Küste von Yorkshire und suchte in der Leihbibliothek an der Pier Road Material. In einer Geschichte der Walachei und Moldau fand er den Namen „Dracula“; er wählte ihn, weil er glaubte, er bedeute auf Rumänisch „Teufel“. Der Name gehörte Vlad III., dem Pfähler. Dass Stoker Vlads Geschichte als Vorlage nahm, ist aber wohl eine Legende: in seinen Notizen steht nichts über ihn, er übernahm kaum mehr als den Namen und ein paar Brocken rumänischer Geschichte. Deutlicher sind die Spuren anderer Vampirgeschichten, vor allem von Sheridan Le Fanus Carmilla (1872), und die Gestalt des Grafen, gross, hager, mit Hakennase, erinnert Kritiker an Henry Irving als Shylock.

Im Roman läuft der Graf in Whitby als schwarzer Hund die 199 Stufen hinauf zum Friedhof der Marienkirche, im Schatten der Abteiruine.

Die Menschen um Dracula

Bram Stoker

Abraham Stoker, geboren 1847 in Irland, war die ersten sieben Lebensjahre wegen einer ungeklärten Krankheit ans Bett gefesselt und wurde später am Trinity College Sportler des Jahres. 1876 schrieb er eine begeisterte Kritik über Henry Irvings Hamlet; die beiden wurden Freunde, und 1878 holte Irving ihn als Geschäftsführer an sein Lyceum Theatre in London. Das blieb Stoker fast dreissig Jahre lang, neben dem Schreiben. Er starb 1912 in London.

Wie Dracula um die Welt ging

1899 erschien die erste amerikanische Ausgabe, 1901 eine billige, gekürzte Taschenausgabe, von der nur wenige Exemplare erhalten sind. Eine schwedische Zeitung druckte 1899/1900 eine freie Bearbeitung, Mörkrets makter; eine Kurzfassung davon kam 1901 auf Isländisch heraus. 1914, zwei Jahre nach Stokers Tod, gab seine Witwe Florence Dracula’s Guest heraus — nach ihren Worten ein Kapitel, das aus Platzgründen aus dem Roman gestrichen worden war.

Guinness führt Dracula als die literarische Figur, die am häufigsten dargestellt wurde: über 700 Mal in Film, Fernsehen und Spiel, dazu fast 1000 Auftritte in Comics und auf der Bühne — fast doppelt so oft wie Sherlock Holmes.

Was davon frei ist, und was nicht

Stokers Roman ist überall frei, ebenso seine Notizen und Dracula’s Guest. In den USA war der Roman es schon früh, weil Stoker das Copyright dort nicht korrekt angemeldet hatte; die Verlage merkten das erst in den 1960er-Jahren.

Die Figur hat eine Rechtsgeschichte, die man kennen sollte. 1922 drehte F. W. Murnau Nosferatu ohne Erlaubnis nach dem Roman und nannte den Grafen Orlok. Stokers Witwe Florence klagte, und 1925 entschied ein Berliner Gericht, dass alle Kopien zu vernichten seien. Einige überlebten, und heute ist auch dieser Film frei.

Das Bild, das die meisten von Dracula haben, stammt aber weder von Stoker noch von Murnau: der Umhang, der spitze Haaransatz, der Akzent kommen aus dem Film mit Bela Lugosi von 1931. In den USA wird er am 1. Januar 2027 frei; in der Schweiz hängt er an der Regie, und Tod Browning starb 1962.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

3 May. Bistritz.—Left Munich at 8:35 P. M., on 1st May, arriving at Vienna early next morning; should have arrived at 6:46, but train was an hour late.
Der erste Satz: Jonathan Harkers Tagebuch, in Kurzschrift. Chapter I — Originaltext bei Project Gutenberg
“Denn die Todten reiten schnell”— (“For the dead travel fast.”)
Ein Mitreisender flüstert Bürgers „Lenore“, als der Kutscher des Grafen erscheint. Chapter I — Originaltext bei Project Gutenberg
“Welcome to my house! Enter freely and of your own will!”
Der Graf empfängt Harker. Chapter II — Originaltext bei Project Gutenberg
“Listen to them—the children of the night. What music they make!”
Der Graf, als die Wölfe heulen. Chapter II — Originaltext bei Project Gutenberg
We learn from failure, not from success!
Van Helsing zu Dr. Seward. Chapter X — Originaltext bei Project Gutenberg
“The blood is the life! The blood is the life!”
Renfield. Chapter XI — Originaltext bei Project Gutenberg
There are darknesses in life, and there are lights; you are one of the lights.
Van Helsing zu Mina. Chapter XIV — Originaltext bei Project Gutenberg
My revenge is just begun! I spread it over centuries, and time is on my side.
Der Graf zu seinen Jägern. Chapter XXIII — Originaltext bei Project Gutenberg

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

Einband der Erstausgabe, Archibald Constable and Company, London, Mai 1897 — gelbes Leinen, rote Schrift, sechs Shilling
Einband der Erstausgabe, Archibald Constable and Company, London, Mai 1897 — gelbes Leinen, rote Schrift, sechs Shillingunbekannt, 1897 · Public domain · Commons
Stokers Arbeitsnotizen: die Liste der Figuren, noch vor 1897 — mit dem „Count Dracula“ und Namen, die im Buch nicht mehr vorkommen
Stokers Arbeitsnotizen: die Liste der Figuren, noch vor 1897 — mit dem „Count Dracula“ und Namen, die im Buch nicht mehr vorkommenBram Stoker · Public domain · Commons
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Bram Stoker, signierte Fotogravüre von W. & D. Downey, 1906W. & D. Downey, 1906 · Public domain · Commons
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Die erste amerikanische Ausgabe, Doubleday & McClure, New York 1899unbekannt, 1899 · Public domain · Commons
Die billige, gekürzte Taschenausgabe von 1901 für sechs Pence
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„Dracula’s Guest“, 1914 von Stokers Witwe Florence herausgegeben — Umschlag von William Bradshaw HandforthWilliam Bradshaw Handforth, 1914 · Public domain · Commons
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Die Ruine von Whitby Abbey, wo Dracula an Land geht — Photochrom um 1890–1900, als Stoker dort warPhotochrom Print Collection · Public domain · Commons
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Aus „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, 1872, einem Vorbild für Dracula — David Henry FristonDavid Henry Friston, 1872 · Public domain · Commons
Orlok an Bord des Schiffes — Standfoto aus „Nosferatu“, 1922
Orlok an Bord des Schiffes — Standfoto aus „Nosferatu“, 1922unbekannt, 1921 · Public domain · Commons
Szene aus „Nosferatu“, 1922
Szene aus „Nosferatu“, 1922unbekannt · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Der Roman „Dracula“Bram Stoker († 1912) · 1897Draculafreifreifreifrei
Stokers Arbeitsnotizen zum RomanBram Stoker († 1912) · um 1890–1897Stoker starb 1912. Unveröffentlichte Werke sind in den USA 70 Jahre nach dem Tod frei, also seit 1983; die Notizen erschienen erst 2008 als Faksimile.Draculafreifreifreifrei
Dracula’s Guest and Other Weird StoriesBram Stoker († 1912), herausgegeben von Florence Stoker · 1914Dracula's Guestfreifreifreifrei
Erste deutsche Übersetzung, „Dracula. Ein Vampyr-Roman“Heinz Widtmann, Leipzig · 1908Die Lebensdaten des Übersetzers sind nicht bekannt; ohne Todesjahr lässt sich die Frist nicht rechnen.Dracula (Roman) — Übersetzungenoffenoffenoffenfrei
Nosferatu — Eine Symphonie des GrauensRegie F. W. Murnau († 1931), Drehbuch Henrik Galeen († 1949), Musik Hans Erdmann († 1942) · 1922In der Schweiz zählt beim Film nur die Regie (Murnau), in Deutschland auch Drehbuch und Musik — frei ist der Film in beiden. Er war eine unerlaubte Verfilmung: Stokers Witwe klagte, und 1925 ordnete ein Berliner Gericht an, alle Kopien zu vernichten.Nosferatu — Eine Symphonie des Grauensfrei seit 2020frei seit 2020frei seit 2020frei
Dracula mit Bela Lugosi — Umhang, Haaransatz, AkzentUniversal, Regie Tod Browning († 1962) · 1931In der Schweiz zählt beim Film nur die Regie. In Deutschland zählen auch Drehbuch, Dialog und eigens komponierte Musik; die sind hier nicht einzeln geprüft.Dracula (1931 English-language film)geschützt bis Ende 2032offenoffengeschützt bis Ende 2026

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

In den anderen Nachschlagewerken

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Quellen

Stand 29. September 2026. Wikidata: Q3266236. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.