Zum Inhalt
freistoff

Figur

Heidi

Johanna Spyri (1827–1901) · erster Auftritt: Heidis Lehr- und Wanderjahre, 1880

Das Waisenkind auf der Alp über Maienfeld, das in Frankfurt vor Heimweh krank wird — eine der bekanntesten Figuren der Schweizer Literatur.

  • Typ Kind
  • Motiv Heimweh
  • Motiv Stadt und Land
  • Motiv Der Weg nach Hause
  • Epoche Schweiz im 19. Jahrhundert
Heidi und der Grossvater vor der Hütte — Jessie Willcox Smith für die amerikanische Ausgabe, 1922
Heidi und der Grossvater vor der Hütte — Jessie Willcox Smith für die amerikanische Ausgabe, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons

Die Figur

Heidi ist fünf, als ihre Tante Dete sie zum Grossvater bringt, einem Einzelgänger, den alle nur den Alm-Öhi nennen, auf eine Alp oberhalb von Maienfeld in Graubünden. Sie freundet sich mit dem Geissenpeter an und taut den Alten auf. Dann holt die Tante sie nach Frankfurt, wo sie der gelähmten Klara Sesemann Gesellschaft leisten soll. Heidi lernt lesen, wird aber vor Heimweh krank und schlafwandelt, bis man sie zurückschickt. Im zweiten Band besucht Klara die Alp und lernt dort wieder gehen.

Johanna Spyri veröffentlichte den ersten Band kurz vor Weihnachten 1879, datiert 1880, bei Perthes in Gotha; der zweite folgte 1881. Auf dem Titelblatt stand nicht ihr Name, sondern „von der Verfasserin von ‚Ein Blatt auf Vrony’s Grab‘“, und darunter der Satz, den sie schon für ihr erstes Kinderbuch gebraucht hatte: eine Geschichte für Kinder und auch für Solche, welche die Kinder lieb haben. 2010 wurde behauptet, Spyri habe bei einer Erzählung von Hermann Adam von Kamp abgeschrieben; die These hat sich nicht durchgesetzt.

Die Menschen um Heidi

Die Orte

Die Geschichte beginnt in Maienfeld, bei Spyri „Mayenfeld“, im Dörfli darüber und auf der Alp. Dete kommt aus Bad Ragaz herüber, wo sie im grossen Hotel arbeitet; im zweiten Band ist Klara dort zur Kur, bevor sie auf die Alp darf. Den ersten Winter nach Heidis Rückkehr verbringt der Grossvater mit ihr unten im Dörfli, in einem zerfallenen Haus, das er dafür herrichtet.

Heute steht oberhalb von Maienfeld das Heididorf, ein Erlebnispark, der sich als Originalschauplatz versteht; die Gegend wird seit 1997 als „Ferienregion Heidiland“ vermarktet. Spyris eigenes Dorf war ein anderes: Hirzel über dem Zürichsee, wo sie aufwuchs. Dort erzählt das Johanna-Spyri-Museum im alten Schulhaus von ihrem Leben.

Die Geschichte in 23 Kapiteln

Der erste Band, Heidis Lehr- und Wanderjahre, im Scan der Erstausgabe beim Deutschen Textarchiv:

  1. Zum Alm-Oehi hinauf
  2. Beim Großvater
  3. Auf der Weide
  4. Bei der Großmutter
  5. Es kommt ein Besuch und dann noch einer, der mehr Folgen hat
  6. Ein neues Capitel und lauter neue Dinge
  7. Fräulein Rottenmeier hat einen unruhigen Tag
  8. Im Hause Sesemann geht’s unruhig zu
  9. Der Hausherr hört Allerlei in seinem Hause, das er noch nicht gehört hat
  10. Eine Großmama
  11. Heidi nimmt auf einer Seite zu und auf der andern ab
  12. Im Hause Sesemann spukt’s
  13. Am Sommerabend die Alm hinan
  14. Am Sonntag, wenn’s läutet

Der zweite Band, Heidi kann brauchen, was es gelernt hat, bei Project Gutenberg: Reisezurüstungen · Ein Gast auf der Alm · Eine Vergeltung · Der Winter im Dörfli · Der Winter dauert fort · Die fernen Freunde regen sich · Wie es auf der Alp weitergeht · Es geschieht, was keiner erwartet hat · Es wird Abschied genommen, aber auf Wiedersehen.

Johanna Spyri

Geboren 1827 als Johanna Louise Heusser in Hirzel, das vierte von sechs Kindern des Arztes Johann Jakob Heusser und der Dichterin Meta Heusser-Schweizer. 1852 heiratete sie in Wollishofen den Juristen Bernhard Spyri; 1855 kam ihr einziges Kind zur Welt, der Sohn Bernhard Diethelm. Ihr erstes Kinderbuch erschien 1878, ebenfalls ohne ihren Namen. 1884 starben kurz nacheinander der Sohn, an Tuberkulose, und ihr Mann. Spyri starb 1901 in Zürich.

Wie Heidi um die Welt ging

In den USA erschien Heidi 1884, übersetzt von Louise Brooks; bis 1959 kamen dreizehn englische Übersetzungen zusammen. Heute liegt das Buch in über 50 Sprachen vor und gilt als eines der meistverkauften Bücher überhaupt. In Japan erschien es 1906 zum ersten Mal und prägt dort bis heute das Bild, das man sich von der Schweiz macht. Kritiker nennen das Heidiland auch ein Klischee.

Im Mai 2023 nahm die UNESCO die Johanna-Spyri- und Heidi-Archive in Zürich ins Register des Weltdokumentenerbes auf. Darin liegen die Originalentwürfe von Friedrich Wilhelm Pfeiffer für die Bilder der Erstausgabe, samt den Briefen, die Spyri dazu schrieb.

Was davon frei ist, und was nicht

Spyri starb 1901. Ihr Heidi gehört allen, beide Bände, ebenso die Bilder der Erstausgabe, die von Maria L. Kirk und von Jessie Willcox Smith. Auch die Fortsetzungen, die Charles Tritten in den 1930er-Jahren unter Spyris Namen schrieb, sind in der Schweiz frei. Jede Übersetzung ist eine eigene Schicht: frei ist sie erst, wenn es auch die Übersetzerin oder der Übersetzer ist.

Zwei Dinge gehören nicht dazu. Das Heidi, das viele im Kopf haben, stammt aus der japanischen Zeichentrickserie von 1974, gezeichnet von Yōichi Kotabe; dieses Aussehen ist nicht frei. Und Heidiland ist seit 1979 eine eingetragene Marke: Heidi erzählen ja, Heidiland auf eine Verpackung schreiben nein.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

Vom freundlichen Dorfe Mayenfeld führt ein Fußweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fuße der Höhen, die von dieser Seite groß und ernst auf das Thal herniederschauen.
Der erste Satz. Kapitel I, Zum Alm-Oehi hinauf — Erstausgabe 1880, S. 1
„Peter! Peter! es brennt! es brennt! Alle Berge brennen und der große Schnee drüben brennt und der Himmel.“
Heidi sieht zum ersten Mal das Alpenglühen. Kapitel III, Auf der Weide — Erstausgabe 1880, S. 45
Heidi setzte sich in seinem einsamen Zimmer in einen Winkel und hielt sich mit beiden Händen die Augen zu, daß es den Sonnenschein drüben an der Mauer nicht sehe; und so saß es regungslos, sein brennendes Heimweh lautlos niederkämpfend, bis Klara wieder nach ihm rief.
Frankfurt. Kapitel XI, Heidi nimmt auf einer Seite zu und auf der andern ab — Erstausgabe 1880, S. 174
„Zweitens wird das Kind vom Heimweh verzehrt, so daß es schon jetzt fast zum Geripplein abgemagert ist und es noch völlig werden würde; also schnelle Hülfe.“
Der Doktor zu Herrn Sesemann. Kapitel XII, Im Hause Sesemann spukt’s — Erstausgabe 1880, S. 191
Der Großvater sagte auch Nichts. Seit vielen Jahren waren ihm zum ersten Mal wieder die Augen naß geworden, und er mußte mit der Hand darüber fahren.
Heidi ist zurück auf der Alp. Kapitel XIII, Am Sommerabend die Alm hinan — Erstausgabe 1880, S. 214
»Ich kann, Heidi! Oh, ich kann! Sieh! Sieh! Ich kann Schritte machen, einen nach dem andern.«
Klara auf der Alp. Zweiter Band, Kapitel Es geschieht, was keiner erwartet hat — nach der Ausgabe bei Project Gutenberg

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

Titelblatt der Erstausgabe, Perthes, Gotha — ohne Namen, „von der Verfasserin von ‚Ein Blatt auf Vrony’s Grab‘“
Titelblatt der Erstausgabe, Perthes, Gotha — ohne Namen, „von der Verfasserin von ‚Ein Blatt auf Vrony’s Grab‘“unbekannt · Public domain · Commons
Einband der achten Auflage, Perthes, Gotha 1887
Einband der achten Auflage, Perthes, Gotha 1887unbekannt, 1887 · Public domain · Commons
Heidi bei der blinden Grossmutter des Geissenpeters — Jessie Willcox Smith, 1922
Heidi bei der blinden Grossmutter des Geissenpeters — Jessie Willcox Smith, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons
Heidi winkt, bis der Freund nur noch ein Pünktchen ist — Maria L. Kirk, 1919
Heidi winkt, bis der Freund nur noch ein Pünktchen ist — Maria L. Kirk, 1919Johanna Spyri, Illustrations by Maria L. Kirk, 1919 · Public domain · Commons
Heidi in Frankfurt, im Haus Sesemann — Jessie Willcox Smith, 1922
Heidi in Frankfurt, im Haus Sesemann — Jessie Willcox Smith, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons
Heimweh: Heidi allein im Zimmer — Maria L. Kirk, 1919
Heimweh: Heidi allein im Zimmer — Maria L. Kirk, 1919Johanna Spyri, Illustrations by Maria L. Kirk, 1919 · Public domain · Commons
Das „Gespenst“ im Haus Sesemann: Heidi schlafwandelt zur Haustür — Jessie Willcox Smith, 1922
Das „Gespenst“ im Haus Sesemann: Heidi schlafwandelt zur Haustür — Jessie Willcox Smith, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons
Mit dem Schlitten durch den Winterwald — Jessie Willcox Smith, 1922
Mit dem Schlitten durch den Winterwald — Jessie Willcox Smith, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons
Heidi, Klara und der Geissenpeter auf der Alp — Jessie Willcox Smith, 1922
Heidi, Klara und der Geissenpeter auf der Alp — Jessie Willcox Smith, 1922Jessie Willcox Smith, 1922 · Public domain · Commons
Umschlag einer deutschen Ausgabe „mit vielen Bildern von Rudolf Münger“
Umschlag einer deutschen Ausgabe „mit vielen Bildern von Rudolf Münger“Rudolf Münger · Public domain · Commons
Johanna Spyri um 1890
Johanna Spyri um 1890unbekannt · Public domain · Commons
Bernhard Spyri und Johanna Heusser als Verlobte, Daguerreotypie, 1852
Bernhard Spyri und Johanna Heusser als Verlobte, Daguerreotypie, 1852unbekannt · Public domain · Commons
Meta Heusser-Schweizer, Dichterin und Spyris Mutter
Meta Heusser-Schweizer, Dichterin und Spyris Mutterunbekannt · Public domain · Commons
Bad Ragaz, wo Dete als Zimmermädchen arbeitet und Klara zur Kur ist — Photochrom, zwischen 1890 und 1900
Bad Ragaz, wo Dete als Zimmermädchen arbeitet und Klara zur Kur ist — Photochrom, zwischen 1890 und 1900Photochrom Print Collection · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Heidis Lehr- und Wanderjahre, Heidi kann brauchen, was es gelernt hatJohanna Spyri († 1901) · 1880 und 1881Heidi (Roman)freifreifreifrei
Die Illustrationen der ErstausgabeFriedrich Wilhelm Pfeiffer († 1891) · 1880Friedrich Wilhelm Pfeiffer (Maler)freifreifreifrei
Die Illustrationen einer amerikanischen AusgabeMaria L. Kirk († 1938) · 1919Heidi - Frontispiece.pngfreifreifreifrei
Die Illustrationen der amerikanischen AusgabeJessie Willcox Smith († 1935) · 1922Jessie Willcox Smithfreifreifreifrei
Die Bilder von Rudolf MüngerRudolf Münger († 1929)Münger starb 1929, in der Schweiz und in Deutschland sind seine Bilder frei. Wann diese Ausgabe erschien, ist nicht belegt — und in den USA hängt es genau daran.Heidi Titel.jpgfreifreifreioffen
Die Fortsetzungen, etwa „Heidi jeune fille“Charles Tritten († 1948), unter Spyris Namen verkauft · 1936Die Fortsetzungen sind nicht von Spyri, auch wenn ihr Name draufstand. Tritten starb 1948: in der Schweiz frei, in den USA zählt das Erscheinungsjahr 1936.Heidifrei seit 2019frei seit 2019frei seit 2019geschützt bis Ende 2031
Die Zeichentrickserie und ihr Aussehen der FigurenRegie Isao Takahata († 2018), Figuren Yōichi Kotabe, Szenen Hayao Miyazaki · 1974Das Heidi, das viele vor Augen haben, ist das der japanischen Serie, gezeichnet von Yōichi Kotabe. Frei ist Spyris Heidi, nicht dieses Aussehen.Heidi, Girl of the Alpsgeschützt bis Ende 2088geschützt bis Ende 2088geschützt bis Ende 2088geschützt bis Ende 2069
Die Marke „Heidiland“eingetragen 1979, heute Heidiland Tourismus AGHeidiland ist in der Schweiz seit 1979 eine eingetragene Marke, lizenziert an eine Raststätte und die Ferienregion. Heidi darf man erzählen; Heidiland als Name für ein Produkt nicht.Heidilandgeschütztoffenoffenoffen

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

In den anderen Nachschlagewerken

Weiterstöbern

Quellen

Stand 29. September 2026. Wikidata: Q5893496. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.