Heidi
Johanna Spyri (1827–1901) · erster Auftritt: Heidis Lehr- und Wanderjahre, 1880
Das Waisenkind auf der Alp über Maienfeld, das in Frankfurt vor Heimweh krank wird — eine der bekanntesten Figuren der Schweizer Literatur.
- Typ Kind
- Motiv Heimweh
- Motiv Stadt und Land
- Motiv Der Weg nach Hause
- Epoche Schweiz im 19. Jahrhundert

Die Figur
Heidi ist fünf, als ihre Tante Dete sie zum Grossvater bringt, einem Einzelgänger, den alle nur den Alm-Öhi nennen, auf eine Alp oberhalb von Maienfeld in Graubünden. Sie freundet sich mit dem Geissenpeter an und taut den Alten auf. Dann holt die Tante sie nach Frankfurt, wo sie der gelähmten Klara Sesemann Gesellschaft leisten soll. Heidi lernt lesen, wird aber vor Heimweh krank und schlafwandelt, bis man sie zurückschickt. Im zweiten Band besucht Klara die Alp und lernt dort wieder gehen.
Johanna Spyri veröffentlichte den ersten Band kurz vor Weihnachten 1879, datiert 1880, bei Perthes in Gotha; der zweite folgte 1881. Auf dem Titelblatt stand nicht ihr Name, sondern „von der Verfasserin von ‚Ein Blatt auf Vrony’s Grab‘“, und darunter der Satz, den sie schon für ihr erstes Kinderbuch gebraucht hatte: eine Geschichte für Kinder und auch für Solche, welche die Kinder lieb haben. 2010 wurde behauptet, Spyri habe bei einer Erzählung von Hermann Adam von Kamp abgeschrieben; die These hat sich nicht durchgesetzt.
Die Menschen um Heidi
- Heidi, eigentlich Adelheid wie ihre Mutter. So nennt sie nur Fräulein Rottenmeier.
- Der Alm-Öhi, Heidis Grossvater, Vater ihres toten Vaters Tobias. Er hat in Neapel Kriegsdienst geleistet, im Dorf erzählt man sich Schlimmes über ihn, und er lebt allein oben auf der Alp.
- Der Geissenpeter, der Ziegenhirt, mit seiner Mutter Brigitte und der blinden Grossmutter, der Heidi nach der Rückkehr Lieder aus ihrem alten Buch vorliest.
- Dete, Heidis Tante, Zimmermädchen in Bad Ragaz. Sie gibt das Kind beim Grossvater ab, um eine Stelle anzutreten.
- Klara Sesemann, zwölf, in Frankfurt, kann nicht gehen und hat keine Mutter mehr; ihr Vater ist ständig auf Reisen.
- Fräulein Rottenmeier, die den Haushalt führt und für Heidi kein Verständnis hat.
- Die Grossmama, Klaras Grossmutter, die Heidi zum Lesen bringt und ihm das grosse Buch mit den schönen Bildern schenkt.
- Der Doktor, der Herrn Sesemann klarmacht, dass das Kind nach Hause muss.
Die Orte
Die Geschichte beginnt in Maienfeld, bei Spyri „Mayenfeld“, im Dörfli darüber und auf der Alp. Dete kommt aus Bad Ragaz herüber, wo sie im grossen Hotel arbeitet; im zweiten Band ist Klara dort zur Kur, bevor sie auf die Alp darf. Den ersten Winter nach Heidis Rückkehr verbringt der Grossvater mit ihr unten im Dörfli, in einem zerfallenen Haus, das er dafür herrichtet.
Heute steht oberhalb von Maienfeld das Heididorf, ein Erlebnispark, der sich als Originalschauplatz versteht; die Gegend wird seit 1997 als „Ferienregion Heidiland“ vermarktet. Spyris eigenes Dorf war ein anderes: Hirzel über dem Zürichsee, wo sie aufwuchs. Dort erzählt das Johanna-Spyri-Museum im alten Schulhaus von ihrem Leben.
Die Geschichte in 23 Kapiteln
Der erste Band, Heidis Lehr- und Wanderjahre, im Scan der Erstausgabe beim Deutschen Textarchiv:
- Zum Alm-Oehi hinauf
- Beim Großvater
- Auf der Weide
- Bei der Großmutter
- Es kommt ein Besuch und dann noch einer, der mehr Folgen hat
- Ein neues Capitel und lauter neue Dinge
- Fräulein Rottenmeier hat einen unruhigen Tag
- Im Hause Sesemann geht’s unruhig zu
- Der Hausherr hört Allerlei in seinem Hause, das er noch nicht gehört hat
- Eine Großmama
- Heidi nimmt auf einer Seite zu und auf der andern ab
- Im Hause Sesemann spukt’s
- Am Sommerabend die Alm hinan
- Am Sonntag, wenn’s läutet
Der zweite Band, Heidi kann brauchen, was es gelernt hat, bei Project Gutenberg: Reisezurüstungen · Ein Gast auf der Alm · Eine Vergeltung · Der Winter im Dörfli · Der Winter dauert fort · Die fernen Freunde regen sich · Wie es auf der Alp weitergeht · Es geschieht, was keiner erwartet hat · Es wird Abschied genommen, aber auf Wiedersehen.
Johanna Spyri
Geboren 1827 als Johanna Louise Heusser in Hirzel, das vierte von sechs Kindern des Arztes Johann Jakob Heusser und der Dichterin Meta Heusser-Schweizer. 1852 heiratete sie in Wollishofen den Juristen Bernhard Spyri; 1855 kam ihr einziges Kind zur Welt, der Sohn Bernhard Diethelm. Ihr erstes Kinderbuch erschien 1878, ebenfalls ohne ihren Namen. 1884 starben kurz nacheinander der Sohn, an Tuberkulose, und ihr Mann. Spyri starb 1901 in Zürich.
Wie Heidi um die Welt ging
In den USA erschien Heidi 1884, übersetzt von Louise Brooks; bis 1959 kamen dreizehn englische Übersetzungen zusammen. Heute liegt das Buch in über 50 Sprachen vor und gilt als eines der meistverkauften Bücher überhaupt. In Japan erschien es 1906 zum ersten Mal und prägt dort bis heute das Bild, das man sich von der Schweiz macht. Kritiker nennen das Heidiland auch ein Klischee.
Im Mai 2023 nahm die UNESCO die Johanna-Spyri- und Heidi-Archive in Zürich ins Register des Weltdokumentenerbes auf. Darin liegen die Originalentwürfe von Friedrich Wilhelm Pfeiffer für die Bilder der Erstausgabe, samt den Briefen, die Spyri dazu schrieb.
Was davon frei ist, und was nicht
Spyri starb 1901. Ihr Heidi gehört allen, beide Bände, ebenso die Bilder der Erstausgabe, die von Maria L. Kirk und von Jessie Willcox Smith. Auch die Fortsetzungen, die Charles Tritten in den 1930er-Jahren unter Spyris Namen schrieb, sind in der Schweiz frei. Jede Übersetzung ist eine eigene Schicht: frei ist sie erst, wenn es auch die Übersetzerin oder der Übersetzer ist.
Zwei Dinge gehören nicht dazu. Das Heidi, das viele im Kopf haben, stammt aus der japanischen Zeichentrickserie von 1974, gezeichnet von Yōichi Kotabe; dieses Aussehen ist nicht frei. Und Heidiland ist seit 1979 eine eingetragene Marke: Heidi erzählen ja, Heidiland auf eine Verpackung schreiben nein.
Aus dem Text
Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.
Vom freundlichen Dorfe Mayenfeld führt ein Fußweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fuße der Höhen, die von dieser Seite groß und ernst auf das Thal herniederschauen.
„Peter! Peter! es brennt! es brennt! Alle Berge brennen und der große Schnee drüben brennt und der Himmel.“
Heidi setzte sich in seinem einsamen Zimmer in einen Winkel und hielt sich mit beiden Händen die Augen zu, daß es den Sonnenschein drüben an der Mauer nicht sehe; und so saß es regungslos, sein brennendes Heimweh lautlos niederkämpfend, bis Klara wieder nach ihm rief.
„Zweitens wird das Kind vom Heimweh verzehrt, so daß es schon jetzt fast zum Geripplein abgemagert ist und es noch völlig werden würde; also schnelle Hülfe.“
Der Großvater sagte auch Nichts. Seit vielen Jahren waren ihm zum ersten Mal wieder die Augen naß geworden, und er mußte mit der Hand darüber fahren.
»Ich kann, Heidi! Oh, ich kann! Sieh! Sieh! Ich kann Schritte machen, einen nach dem andern.«
Mehr Bilder, alle gemeinfrei














Was davon frei ist
Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.
| Schicht | CH | DE | AT | US |
|---|---|---|---|---|
| Heidis Lehr- und Wanderjahre, Heidi kann brauchen, was es gelernt hatJohanna Spyri († 1901) · 1880 und 1881Heidi (Roman) | frei | frei | frei | frei |
| Die Illustrationen der ErstausgabeFriedrich Wilhelm Pfeiffer († 1891) · 1880Friedrich Wilhelm Pfeiffer (Maler) | frei | frei | frei | frei |
| Die Illustrationen einer amerikanischen AusgabeMaria L. Kirk († 1938) · 1919Heidi - Frontispiece.png | frei | frei | frei | frei |
| Die Illustrationen der amerikanischen AusgabeJessie Willcox Smith († 1935) · 1922Jessie Willcox Smith | frei | frei | frei | frei |
| Die Bilder von Rudolf MüngerRudolf Münger († 1929)Münger starb 1929, in der Schweiz und in Deutschland sind seine Bilder frei. Wann diese Ausgabe erschien, ist nicht belegt — und in den USA hängt es genau daran.Heidi Titel.jpg | frei | frei | frei | offen |
| Die Fortsetzungen, etwa „Heidi jeune fille“Charles Tritten († 1948), unter Spyris Namen verkauft · 1936Die Fortsetzungen sind nicht von Spyri, auch wenn ihr Name draufstand. Tritten starb 1948: in der Schweiz frei, in den USA zählt das Erscheinungsjahr 1936.Heidi | frei seit 2019 | frei seit 2019 | frei seit 2019 | geschützt bis Ende 2031 |
| Die Zeichentrickserie und ihr Aussehen der FigurenRegie Isao Takahata († 2018), Figuren Yōichi Kotabe, Szenen Hayao Miyazaki · 1974Das Heidi, das viele vor Augen haben, ist das der japanischen Serie, gezeichnet von Yōichi Kotabe. Frei ist Spyris Heidi, nicht dieses Aussehen.Heidi, Girl of the Alps | geschützt bis Ende 2088 | geschützt bis Ende 2088 | geschützt bis Ende 2088 | geschützt bis Ende 2069 |
| Die Marke „Heidiland“eingetragen 1979, heute Heidiland Tourismus AGHeidiland ist in der Schweiz seit 1979 eine eingetragene Marke, lizenziert an eine Raststätte und die Ferienregion. Heidi darf man erzählen; Heidiland als Name für ein Produkt nicht.Heidiland | geschützt | offen | offen | offen |
Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.
Daraus wurde schon gemacht
- Heidi, Stummfilm, Regie Frederick A. Thomson, mit Madge Evans Film, 1920
- Heidi, mit Shirley Temple, Regie Allan Dwan Film, 1937
- Heidi, Praesens-Film, Regie Luigi Comencini Schweizer Film, 1952
- Heidi und Peter, Regie Franz Schnyder — die Fortsetzung mit derselben Besetzung Schweizer Film, 1955
- Heidi, Regie Werner Jacobs Österreichischer Film, 1965
- Heidi kehrt heim, mit Jennifer Edwards und Maximilian Schell, Musik John Williams Fernsehfilm, 1968
- Heidi, Zeichentrickserie, Regie Isao Takahata Fernsehen, 1974
- Heidi, Kinderserie in 26 Teilen, Schweiz, Deutschland und Österreich Fernsehen, 1978
- Heidi, Regie Paul Marcus, mit Emma Bolger und Max von Sydow Film, 2005
- Heidi – Das Musical, Walensee-Bühne Walenstadt Musical, 2005
- Heidi, Regie Alain Gsponer Film, 2015
In den anderen Nachschlagewerken
- Johanna Spyri zeitranke
- Johanna Spyri zitare
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Quellen
- Heidis Lehr- und Wanderjahre (1880)Deutsches Textarchiv — Erstausgabe, Volltext und Scansabgerufen 29.09.2026
- Heidi kann brauchen, was es gelernt hatProject Gutenberg — Volltext des zweiten Bandesabgerufen 29.09.2026
- Heidi (Roman)Wikipedia (de) — Inhalt, Figuren, Verfilmungen, Heidi-Archiv, Plagiatsvorwurfabgerufen 29.09.2026
- HeidiWikipedia (en) — Übersetzungen, Fortsetzungen, Japan, Heidilandabgerufen 29.09.2026
- Johanna SpyriWikipedia (de) — Leben, Familie, erste Bücherabgerufen 29.09.2026
- Johanna-Spyri-MuseumWikipedia (de)abgerufen 29.09.2026
- HeididorfWikipedia (de)abgerufen 29.09.2026
- Johanna Spyri (Q123053), Charles Tritten (Q59532264), Isao Takahata (Q178713)Wikidata (CC0) — Lebensdatenabgerufen 28.09.2026
Stand 29. September 2026. Wikidata: Q5893496. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.
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