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Figur

Pinocchio

Carlo Collodi (1826–1890) · erster Auftritt: La storia di un burattino, im Giornale per i bambini, 1881

Die Holzpuppe, die schon lebt, bevor sie fertig geschnitzt ist — leichtsinnig, gutherzig und am Ende ein echter Junge.

  • Typ Kind
  • Typ Schelm
  • Motiv Die belebte Puppe
  • Motiv Die Lüge
  • Motiv Der Weg nach Hause
  • Epoche Italien nach der Einigung
Pinocchio, wie Enrico Mazzanti ihn 1883 für die erste Buchausgabe zeichnete
Pinocchio, wie Enrico Mazzanti ihn 1883 für die erste Buchausgabe zeichneteEnrico Mazzanti · Public domain · Commons

Die Figur

Meister Kirsche, ein Tischler, findet ein Stück Holz, das weint und lacht, und schenkt es seinem Freund Geppetto. Der schnitzt daraus eine Puppe, und die ist frech, bevor sie fertig ist: kaum hat sie eine Nase, wächst diese; kaum hat sie Beine, läuft sie davon. Pinocchio verkauft das Schulbuch fürs Puppentheater, fällt auf den Fuchs und den Kater herein, wird erhängt, gerettet, in einen Esel verwandelt und vom Riesenhai verschluckt, in dessen Bauch er Geppetto wiederfindet. Am Ende ist er ein richtiger Junge.

Bei Collodi ist Pinocchio kein notorischer Lügner, sondern ein leichtsinniger Faulpelz. Dass seine Nase beim Lügen wächst, kommt im Buch nur an zwei Stellen vor, die zusammen keine drei Seiten füllen. Die sprechende Grille hat keinen Namen und wohnt seit über hundert Jahren in Geppettos Stube, und Pinocchio erschlägt sie mit einem Hammer; später kehrt sie als Geist zurück.

Wie das Buch entstand

Carlo Lorenzini, der sich nach dem Dorf Collodi nannte, in dem er einen Teil seiner Kindheit verbrachte, schickte 1881 einem Freund, der in Rom eine Zeitung herausgab, eine kurze Episode über eine Holzpuppe und fragte, ob er diese „Albernheit“ für die Kinderbeilage brauchen könne. Ab dem 7. Juli 1881 erschien La storia di un burattino im Giornale per i bambini, mit Bildern von Ugo Fleres. Nach dem heutigen Kapitel 15, in dem Fuchs und Kater Pinocchio an einer Eiche erhängen, wollte Collodi Schluss machen. Nach einer Pause ging sie doch weiter, bis zum 25. Januar 1883.

Im Februar 1883 erschien das Buch in 36 Kapiteln bei Felice Paggi in Florenz, mit den Zeichnungen von Enrico Mazzanti. Als Collodi 1890 starb, war es in der fünften Auflage. Ab 1901 zeichnete Carlo Chiostri die Bilder für den Verlag Bemporad, ab 1910 Attilio Mussino.

Wie Pinocchio um die Welt ging

1892 übersetzte Mary Alice Murray das Buch ins Englische. Heute liegt es in rund 240 Sprachen vor — das meistübersetzte Buch der italienischen Literatur und zugleich ihr meistverkauftes. In Deutschland machte Otto Julius Bierbaum 1905 daraus Zäpfel Kerns Abenteuer, in der Sowjetunion Alexei Tolstoi 1936 den Buratino. Weltweit bekannt wurde die Figur durch Disneys Film von 1940, und mit ihm die lange Nase als Zeichen für die Lüge.

Was davon frei ist, und was nicht

Collodis Text ist überall frei, ebenso die Zeichnungen von Mazzanti und von Attilio Mussino, der Pinocchio ab 1910 zeichnete; Mussino starb 1954, seine Bilder sind seit dem 1. Januar 2025 frei.

Nicht frei ist Disneys Pinocchio von 1940 und alles, was der Film erfunden hat. Die sprechende Grille gibt es bei Collodi, aber sie hat keinen Namen, und Pinocchio erschlägt sie gleich zu Beginn; sie kehrt als Geist zurück. „Jiminy Cricket”, das Gewissen mit Zylinder und Schirm, ist Disney.

Auf Deutsch erschien 1905 eine freie Bearbeitung von Otto Julius Bierbaum, Zäpfel Kerns Abenteuer, eine „deutsche Kasperlegeschichte” mit Zeichnungen von Arpad Schmidhammer. Beide sind lange tot, das Buch ist frei.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

— C'era una volta.... — Un re! — diranno subito i miei piccoli lettori. — No, ragazzi, avete sbagliato. C'era una volta un pezzo di legno.
Der Anfang: „Es war einmal … — Ein König! werden meine kleinen Leser sofort sagen. — Nein, Kinder, falsch. Es war einmal ein Stück Holz.“ Kapitel I — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg
Allora, dopo gli occhi gli fece il naso; ma il naso, appena fatto, cominciò a crescere: e cresci, cresci, cresci, diventò in pochi minuti un nasone che non finiva mai.
Die Nase wächst schon beim Schnitzen, vor jeder Lüge. Kapitel III — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg
— Guai a quei ragazzi che si ribellano ai loro genitori, e che abbandonano capricciosamente la casa paterna.
Die sprechende Grille — kurz bevor Pinocchio sie mit dem Hammer erschlägt. Kapitel IV — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg
nel paese dei Barbagianni c'è un campo benedetto chiamato da tutti il Campo dei miracoli.
Der Fuchs lockt Pinocchio mit dem Wunderfeld, auf dem Goldstücke wachsen. Kapitel XII — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg
vi sono le bugie che hanno le gambe corte, e le bugie che hanno il naso lungo: la tua per l'appunto è di quelle che hanno il naso lungo.
Die Fee: „Es gibt Lügen mit kurzen Beinen und Lügen mit langer Nase — deine hat eine lange Nase.“ Kapitel XVII — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg
— Com'ero buffo, quand'ero un burattino! e come ora son contento di esser diventato un ragazzino perbene!...
Der letzte Satz. Kapitel XXXVI — italienischer Originaltext bei Project Gutenberg

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

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Giornale per i bambini vom 14. Juli 1881 — hier erschien die Geschichte zuerst, als „La storia di un burattino“unbekannt; Text von Carlo Collodi · Public domain · Commons
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Carlo Collodi, eigentlich Carlo Lorenzini — Stich nach einer Fotografie, 1890
Carlo Collodi, eigentlich Carlo Lorenzini — Stich nach einer Fotografie, 1890unbekannt · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Le avventure di PinocchioCarlo Collodi († 1890) · 1881–1883, Buch 1883The Adventures of Pinocchiofreifreifreifrei
Die Zeichnungen der Ausgabe von 1901/1902Carlo Chiostri († 1939), gestochen von Adolfo Bongini · 1901PinocchioChiostri08.jpgfreifreifreifrei
Die Zeichnungen der ersten BuchausgabeEnrico Mazzanti († 1910) · 1883Enrico Mazzantifreifreifreifrei
Die Zeichnungen von Attilio MussinoAttilio Mussino († 1954) · ab 1910Attilio Mussino (Q3629273)frei seit 2025frei seit 2025frei seit 2025frei
„Zäpfel Kerns Abenteuer“, deutsche BearbeitungOtto Julius Bierbaum († 1910), Zeichnungen Arpad Schmidhammer († 1921) · 1905Otto Julius Bierbaumfreifreifreifrei
Disneys Film, Disneys Pinocchio, „Jiminy Cricket“Walt Disney Productions · 1940Bei Collodi ist die sprechende Grille namenlos, und Pinocchio erschlägt sie. „Jiminy Cricket" mit Zylinder, Weste und Schirm ist Disneys Erfindung. Frei ist die Grille, nicht Jiminy.Jiminy Cricketgeschütztgeschütztgeschütztgeschützt bis Ende 2035

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

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Quellen

Stand 29. September 2026. Wikidata: Q6502703. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.