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Figur

Robinson Crusoe

Daniel Defoe (1660–1731) · erster Auftritt: The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe, 1719

Der Schiffbrüchige, der 28 Jahre auf einer Insel lebt — und sein Schweizer Nachfahre, die Familie aus dem „Schweizerischen Robinson“.

  • Typ Abenteurer
  • Typ Schiffbrüchiger
  • Motiv Die einsame Insel
  • Motiv Natur gegen Zivilisation
  • Epoche Frühe Aufklärung
Robinson Crusoe — N. C. Wyeth, 1920
Robinson Crusoe — N. C. Wyeth, 1920N. C. Wyeth, 1920 · Public domain · Commons

Die Figur

Robinson verlässt sein Elternhaus in York, um zur See zu fahren. Nach einem Schiffbruch lebt er 28 Jahre auf einer Insel vor der Mündung des Orinoco, baut aus Wrackgut und eigener Arbeit eine kleine Wirtschaft auf und findet zum Glauben. Er rettet einen Gefangenen vor Kannibalen, nennt ihn „Freitag“ und macht ihn zu seinem Diener. Am Ende bringen ihn Meuterer nach England zurück.

Der Roman erschien 1719 in London, die Erstausgabe gab Crusoe selbst als Verfasser aus. Als mögliches Vorbild gilt der Seemann Alexander Selkirk, der vier Jahre allein auf einer Pazifikinsel lebte — die heisst heute Robinson-Crusoe-Insel, liegt aber weit weg von Robinsons Karibik. Die Beziehung zu Freitag wird heute auch als Ausdruck europäischer Kolonialwünsche gelesen.

Das Buch und sein Erfolg

Robinson Crusoe erschien am 25. April 1719 bei William Taylor in London und war noch im selben Jahr in der vierten Auflage. Defoe schob im selben Jahr The Farther Adventures nach, 1720 die Serious Reflections. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte kein Buch der westlichen Literatur mehr Ausgaben, Bearbeitungen und Übersetzungen, bis ins Inuktitut und Koptische; nach ihm heisst eine ganze Gattung, die Robinsonade. Oft gilt es als erster englischer Roman, auch wenn das umstritten ist. Aus „my man Friday“ wurde der „Man Friday“, der Mann für alles.

Alexander Selkirk, das mögliche Vorbild, war ein schottischer Freibeuter, der sich 1704 auf der Insel Más a Tierra vor Chile absetzen liess, weil er seinem lecken Schiff nicht mehr traute. Er blieb vier Jahre und vier Monate allein, bis ihn Woodes Rogers 1709 fand. Defoe hat nie bestätigt, dass er ihn meinte; die Forschung sieht ihn heute als eine von vielen Quellen. 1966 wurde Más a Tierra in Robinson-Crusoe-Insel umbenannt.

Robinson auf Deutsch

Jean-Jacques Rousseau liess seinen Zögling Émile vor dem zwölften Jahr nur ein einziges Buch lesen: den Robinson. Darauf baute der Hamburger Pädagoge Joachim Heinrich Campe. In Robinson der Jüngere (1779/80) erzählt ein Hausvater an 31 Abenden seinen Kindern die Geschichte und spricht mit ihnen darüber; Robinson stammt nun aus Hamburg, strandet ohne Werkzeug aus dem Wrack und kehrt mit Freitag heim, wo beide Tischler werden. Das Buch gilt als erstes eigentliches deutsches Jugendbuch, erlebte über 100 Auflagen und wurde in 20 Sprachen übersetzt.

1812 folgte aus der Schweiz Der Schweizerische Robinson: Der Berner Stadtpfarrer Johann David Wyss hatte die Geschichte zwischen 1794 und 1798 seinen vier Kindern erzählt — eine Pfarrersfamilie mit vier Knaben und zwei Doggen strandet auf einer Insel. Sein Sohn Johann Rudolf Wyss gab sie heraus.

Der Schweizerische Robinson

Johann David Wyss erzählte seinen Kindern eine eigene Robinson-Geschichte, von einer schiffbrüchigen Schweizer Familie; sein Sohn Johann Rudolf gab sie 1812 und 1813 bei Orell Füssli in Zürich heraus. „Robinson“ ist darin keine Person, sondern die Gattung — die Familie selbst heisst im Buch gar nicht so.

Was davon frei ist, und was nicht

Alles hier ist frei: Defoe, Campes „Robinson der Jüngere“, die Familie Wyss und seit 2016 auch N. C. Wyeths Bilder. Geschützt sind nur die Verfilmungen, etwa Disneys „Dschungel der 1000 Gefahren“ nach Wyss.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

I was born in the year 1632, in the city of York, of a good family, though not of that country, my father being a foreigner of Bremen
Der erste Satz — der Vater stammte aus Bremen, der Name war eigentlich Kreutznaer. Chapter I — englischer Text bei Project Gutenberg, modernisierte Schreibung
I had now been in this unhappy island above ten months. All possibility of deliverance from this condition seemed to be entirely taken from me
Chapter VII — englischer Text bei Project Gutenberg, modernisierte Schreibung
he would sit upon my finger, and lay his bill close to my face and cry, “Poor Robin Crusoe! Where are you? Where have you been? How came you here?”
Der Papagei, dem Robinson das Sprechen beigebracht hat — englischer Text bei Project Gutenberg, modernisierte Schreibung
It happened one day, about noon, going towards my boat, I was exceedingly surprised with the print of a man’s naked foot on the shore, which was very plain to be seen on the sand. I stood like one thunderstruck, or as if I had seen an apparition.
Die Fussspur — englischer Text bei Project Gutenberg, modernisierte Schreibung
I let him know his name should be Friday, which was the day I saved his life; I called him so for the memory of the time.
Der Name „Freitag“ — englischer Text bei Project Gutenberg, modernisierte Schreibung
Ist es Aristoteles, ist es Plinius, ist es Büffon? — Nein; es ist Robinson Krusoe.
Campe zitiert im Vorbericht Rousseaus „Émile“ — das eine Buch, das ein Kind zuerst lesen soll. Robinson der Jüngere, 1779, S. XIV — Deutsches Textarchiv
Gotlieb. Hier, Vater? Vater. Ja, hier unter diesem Apfelbaume.
Der erste Abend: der Vater erzählt seinen Kindern. Robinson der Jüngere, 1779, S. 1 — Deutsches Textarchiv

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

Frontispiz und Titelblatt der Erstausgabe, London 1719 — „Written by Himself“, ohne Defoes Namen
Frontispiz und Titelblatt der Erstausgabe, London 1719 — „Written by Himself“, ohne Defoes Namenunbekannt; gestochen von Clark & Pine, 1719 · Public domain · Commons
Die vierte Auflage, noch im selben Jahr 1719
Die vierte Auflage, noch im selben Jahr 1719unbekannt, 1719 · Public domain · Commons
„I stood like one thunderstruck“ — die Fussspur im Sand. Walter Paget, 1891
„I stood like one thunderstruck“ — die Fussspur im Sand. Walter Paget, 1891Walter Paget, 1891 · Public domain · Commons
Robinson arbeitet an seinem Boot — Walter Paget, 1891
Robinson arbeitet an seinem Boot — Walter Paget, 1891Walter Paget, 1891 · Public domain · Commons
Mit Flinte und Hund auf der Insel — Walter Paget, 1891
Mit Flinte und Hund auf der Insel — Walter Paget, 1891Walter Paget, 1891 · Public domain · Commons
Robinson schiesst auf einen der Verfolger — so rettet er Freitag. Walter Paget, 1891
Robinson schiesst auf einen der Verfolger — so rettet er Freitag. Walter Paget, 1891Walter Paget, 1891 · Public domain · Commons
Der Hausvater erzählt unter dem Apfelbaum — Titelkupfer von Daniel Chodowiecki zu Campes „Robinson der Jüngere“, 1779
Der Hausvater erzählt unter dem Apfelbaum — Titelkupfer von Daniel Chodowiecki zu Campes „Robinson der Jüngere“, 1779Daniel Chodowiecki, 1779 · CC0 · Commons
Aus einer frühen englischen Ausgabe des „Schweizerischen Robinson“, 1816
Aus einer frühen englischen Ausgabe des „Schweizerischen Robinson“, 1816unbekannt · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Der RomanDaniel Defoe († 1731) · 1719Robinson Crusoefreifreifreifrei
Die Illustrationen von Walter PagetWalter Paget († 1935) · 189105 Illustration by Walter Paget for fine-art Cassell edition (1891) of Robinson Crusoefreifreifreifrei
Das Titelkupfer zu Campes RobinsonDaniel Chodowiecki († 1801) · 1779Joachim Heinrich Campe met zijn familie onder een boomfreifreifreifrei
Robinson der Jüngere, JugendbearbeitungJoachim Heinrich Campe († 1818) · 1779/80Robinson der Jüngerefreifreifreifrei
Der Schweizerische RobinsonJohann David Wyss († 1818), herausgegeben von seinem Sohn Johann Rudolf Wyss († 1830) · 1812/13, Orell Füssli, ZürichThe Swiss Family Robinsonfreifreifreifrei
Die Illustrationen von N. C. WyethN. C. Wyeth († 1945) · 1920N. C. Wyethfrei seit 2016frei seit 2016frei seit 2016frei

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

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Quellen

Stand 29. September 2026. Wikidata: Q12292447. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.