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Figur

Tarzan

Edgar Rice Burroughs (1875–1950) · erster Auftritt: Tarzan of the Apes, im Magazin The All-Story, 1912

Der englische Lord, der als Kind im Dschungel von Menschenaffen aufgezogen wird — eine Abenteuerfigur mit problematischem Blick auf Afrika.

  • Typ Abenteurer
  • Typ Wildes Kind
  • Motiv Natur gegen Zivilisation
  • Motiv Der verlorene Erbe
  • Epoche Kolonialzeit
Titelbild der All-Story vom Oktober 1912 mit dem ersten Tarzan-Roman — Clinton Pettee
Titelbild der All-Story vom Oktober 1912 mit dem ersten Tarzan-Roman — Clinton PetteeClinton Pettee · Public domain · Commons

Die Figur

John Clayton, Sohn eines englischen Lords, wird als Baby an der afrikanischen Küste zur Waise und wächst bei Menschenaffen auf. Er bringt sich aus den Büchern in der Hütte seiner Eltern selbst das Lesen bei, lernt die Sprache der Tiere und wird zum Herrn des Dschungels, bis die junge Amerikanerin Jane Porter auftaucht und mit ihr die Frage, in welche Welt er gehört.

Edgar Rice Burroughs veröffentlichte Tarzan of the Apes im Oktoberheft 1912 des Magazins The All-Story; als Buch erschien der Roman 1914. Es folgten über zwanzig weitere Bände.

Wie der Roman erzählt

Die Greystokes werden 1888 an der Küste des äquatorialen Afrika ausgesetzt; dort kommt ihr Sohn zur Welt. Die Mutter stirbt an Malaria, den Vater tötet der Affenkönig Kerchak, und die Äffin Kala, die ihr eigenes Junges verloren hat, nimmt das Kind an. „Tarzan“ heisst in der Affensprache „Weisshaut“. In der Hütte der Eltern findet der Junge Fibeln und Bilderbücher und bringt sich über Jahre selbst das Lesen und Schreiben bei, ohne je ein englisches Wort gehört zu haben — sein Brief an Jane ist geschrieben, sprechen kann er ihn nicht. Erst der französische Offizier Paul D’Arnot bringt ihm eine Sprache bei, Französisch.

Am Ende holt Tarzan Jane in Wisconsin aus einem Waldbrand und erfährt, dass sie mit seinem Vetter verlobt ist, der ahnungslos das Erbe der Greystokes angetreten hat. D’Arnot hat inzwischen bewiesen, wer Tarzan ist. Tarzan schweigt, um Jane nicht unglücklich zu machen — und beantwortet die Frage, wie er in den Dschungel kam, mit dem Satz, mit dem das Buch schliesst.

Burroughs

Burroughs war 36, als er zu schreiben begann, nach siebzehn Berufen: Kavallerist, Goldgräber, Cowboy, Eisenbahnpolizist, Händler für Bleistiftspitzer. Er las Groschenhefte und dachte, so einen „Mist“ könne er auch. Als Vorbild nannte er nur Romulus und Remus; Kipling fand, Burroughs habe das Motiv seiner Dschungelbücher „verjazzt“. Aus seiner Ranch in Kalifornien wurde später der Stadtteil Tarzana von Los Angeles.

Den ersten Film drehte Scott Sidney 1917 in den Sümpfen um Morgan City, Louisiana. Gordon Griffith spielte den jungen, Elmo Lincoln den erwachsenen Tarzan, Enid Markey die erste Jane. Burroughs hatte die Filmrechte für 5000 Dollar plus Aktien und zehn Prozent der Einnahmen verkauft, als üblich 100 bis 500 Dollar waren.

Ein Blick, der mitgelesen werden muss

Die Bücher sind Kinder ihrer Zeit, und das heisst hier: Sie zeichnen Afrikanerinnen und Afrikaner durchgehend abwertend, der weisse Held ist allen überlegen. Rassismusvorwürfe gibt es seit den frühen 1970er-Jahren; Burroughs selbst war ein erklärter Anhänger der Eugenik, und Tarzan sollte deren Ideen verkörpern, und die Forschung liest die Geschichten als typisch für 1912, nicht als harmlos. Wer Tarzan heute neu erzählt, erbt diesen Blick mit, oder erzählt ihn bewusst anders.

Was davon frei ist, und was nicht

Burroughs starb 1950. In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich sind seine zu Lebzeiten erschienenen Texte frei, das Titelbild von 1912 ebenso, Wyeths Titelbild von 1913 und der Film von 1918, dessen Regisseur 1928 starb. Den Umschlag der Buchausgabe von 1914, Tarzans Silhouette im Baum, zeigen wir nicht: Das Todesjahr des Zeichners Fred J. Arting ist hier nicht belegt. J. Allen St. John, der viele Bände illustriert hat, starb 1957; seine Bilder werden erst am 1. Januar 2028 frei.

Der Name ist die Falle. Edgar Rice Burroughs, Inc. behandelt „Tarzan” als Marke und hat das vor Gericht durchgesetzt: 1966 verschwanden die Tarzan-Bände eines anderen Autors vom Markt, 2012 klagte die Firma gegen einen Comicverlag. Eine neue Geschichte mit der Figur ist urheberrechtlich frei; ein Buch, das „Tarzan” im Titel trägt, ist eine Frage an das Markenregister.

Aus dem Text

Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.

I had this story from one who had no business to tell it to me, or to any other.
Der erste Satz. „Tarzan of the Apes“, Kapitel I, Out to Sea
Tublat went to Kerchak to urge him to use his authority with Kala, and force her to give up little Tarzan, which was the name they had given to the tiny Lord Greystoke, and which meant “White-Skin.”
Woher der Name kommt. Kapitel V, The White Ape
All of these he examined, but the pictures caught his fancy most, though the strange little bugs which covered the pages where there were no pictures excited his wonder and deepest thought.
Tarzan findet die Bücher seiner Eltern. Kapitel VII, The Light of Knowledge
“I am Tarzan,” he cried. “I am a great killer. Let all respect Tarzan of the Apes and Kala, his mother.
Nach dem Sieg über Tublat. Kapitel VII
I am Tarzan of the Apes. I want you. I am yours. You are mine.
Tarzans Brief an Jane — schreiben kann er, sprechen noch nicht. Kapitel XVIII, The Jungle Toll
“I was born there,” said Tarzan, quietly. “My mother was an Ape, and of course she couldn’t tell me much about it. I never knew who my father was.”
Der letzte Satz des Romans. Kapitel XXVIII, Conclusion

Mehr Bilder, alle gemeinfrei

New Story Magazine, Juni 1913, mit dem Beginn von „The Return of Tarzan“ — N. C. Wyeth
New Story Magazine, Juni 1913, mit dem Beginn von „The Return of Tarzan“ — N. C. WyethN. C. Wyeth · Public domain · Commons
Plakat zum ersten Tarzan-Film, 1918
Plakat zum ersten Tarzan-Film, 1918unbekannt; National Film Corporation of America, 1918 · Public domain · Commons
Zweites Plakat zum Film von 1918
Zweites Plakat zum Film von 1918unbekannt; National Film Corporation of America, 1918 · Public domain · Commons
Elmo Lincoln als Tarzan, 1918
Elmo Lincoln als Tarzan, 1918Scott Sidney (Regie), 1918 · Public domain · Commons
Tarzan an der toten Kala — Film von Scott Sidney, 1918
Tarzan an der toten Kala — Film von Scott Sidney, 1918Scott Sidney (Regie), 1918 · Public domain · Commons
Enid Markey, die erste Jane im Film, 1918
Enid Markey, die erste Jane im Film, 1918Scott Sidney (Regie), 1918 · Public domain · Commons
Edgar Rice Burroughs, um 1920
Edgar Rice Burroughs, um 1920unbekannt · Public domain · Commons
Burroughs’ Exlibris mit Tarzan, der den Mars hält — entworfen von seinem Neffen Studley Burroughs
Burroughs’ Exlibris mit Tarzan, der den Mars hält — entworfen von seinem Neffen Studley BurroughsStudley Burroughs · Public domain · Commons

Was davon frei ist

Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.

SchichtCHDEATUS
Tarzan of the ApesEdgar Rice Burroughs († 1950) · 1912, Buch 1914Tarzan of the Apesfrei seit 2021frei seit 2021frei seit 2021frei
Die späteren Tarzan-Bände ab „Tarzan the Invincible“Edgar Rice Burroughs († 1950) · ab 1930In den USA sind die ersten dreizehn Bände frei, bis „Tarzan at the Earth’s Core“; die späteren werden Jahr für Jahr frei. In Europa zählt der Tod: alles, was zu Lebzeiten erschien, ist frei.Tarzan (book series)frei seit 2021frei seit 2021frei seit 2021geschützt bis Ende 2026
Das Titelbild der All-Story, Oktober 1912Clinton Pettee († 1937) · 1912Tarzan All Story.jpgfreifreifreifrei
Das Titelbild zu „The Return of Tarzan“ im New Story MagazineN. C. Wyeth († 1945) · 1913The Return of Tarzanfrei seit 2016frei seit 2016frei seit 2016frei
Der erste Tarzan-Film, „Tarzan of the Apes“Scott Sidney (Regie, † 1928) · 1918Tarzan of the Apes (1918 film)freifreifreifrei
Burroughs’ ExlibrisStudley Burroughs († 1949) · zwischen 1914 und 1922Bookplate of Edgar Rice Burroughs.jpgfrei seit 2020frei seit 2020frei seit 2020frei
Die Illustrationen vieler BändeJ. Allen St. John († 1957) · ab 1915In den USA zählt das Erscheinungsjahr jedes einzelnen Bandes; St. John illustrierte über viele Jahre. In Europa zählt sein Tod: frei ab 1. Januar 2028.J. Allen St. Johngeschützt bis Ende 2027geschützt bis Ende 2027geschützt bis Ende 2027offen
Der Name „Tarzan“ als MarkeEdgar Rice Burroughs, Inc.Die Firma von Burroughs, gegründet 1923, beansprucht „Tarzan" als Marke und hat das mehrfach durchgesetzt: 1966 gegen Gold Star Books, 2012 gegen Dynamite Comics (Vergleich 2014). Wer den Namen für einen Titel oder ein Produkt verwenden will, sieht zuerst ins Markenregister.Edgar Rice Burroughs, Inc.offenoffenoffenoffen
Die Filme mit Johnny Weissmuller, Disneys TarzanMGM und andere Studios, Walt Disney · 1932–1948, 1999Was die Filme hinzugefügt haben — vom Schrei bis zu Disneys Zeichnungen —, ist nicht Burroughs und nicht frei.Tarzangeschütztgeschütztgeschütztgeschützt

Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.

Daraus wurde schon gemacht

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Quellen

Stand 30. September 2026. Wikidata: Q170241. Keine Rechtsberatung — wie wir prüfen.