Die Nibelungen
Stoff ohne einzelne Urheber:in · 9 Fassungen und Schichten
Siegfried, Kriemhild, Hagen und der Untergang der Burgunder — das grosse Heldenlied des Mittelalters, eine Handschrift davon liegt in St. Gallen.
- Typ Held
- Typ Rächerin
- Motiv Verrat
- Motiv Rache
- Motiv Der Schatz
- Motiv Treue bis in den Untergang
- Epoche Hochmittelalter bis 20. Jahrhundert

Der Stoff
Siegfried, der den Drachen getötet hat, wirbt am Hof der Burgunder in Worms um Kriemhild und hilft König Gunther mit einer List, die übermenschlich starke Brünhild zu gewinnen. Als die beiden Königinnen sich streiten, kommt die List ans Licht, und Hagen von Tronje ermordet Siegfried. Jahre später heiratet Kriemhild den Hunnenkönig Etzel, lädt ihre Brüder an seinen Hof und verlangt Hagen. Die Burgunder liefern ihn nicht aus, und alle gehen unter.
Das Nibelungenlied entstand Anfang des 13. Jahrhunderts, sein Verfasser ist unbekannt. Drei Handschriften tragen es, und eine davon, die Handschrift B, liegt in der Stiftsbibliothek St. Gallen; alle drei gehören seit 2009 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Der Titel selbst schwankt: die Fassung B endet mit „daz ist der Nibelunge not”, „Nibelunge liet” steht erst in C.
Das Lied und seine Handschriften
Das Nibelungenlied erzählt in etwa 2400 vierzeiligen Strophen, gegliedert in 39 Aventiuren. Wer es dichtete, weiss man nicht; vermutet wird ein gebildeter Mann im Umkreis des Passauer Bischofs Wolfger um 1200. Im Text selbst tritt ein Bischof Pilgrim von Passau auf, der die Geschichte aufschreiben lässt — einen Bischof dieses Namens gab es im 10. Jahrhundert. Einen historischen Kern sieht man im Untergang des Burgunderreichs um Worms um 436, als der römische Heermeister Aëtius es mit hunnischen Hilfstruppen zerschlug.
Rund 37 Handschriften und Bruchstücke sind erhalten. Die drei ältesten vollständigen heissen seit Karl Lachmann A, B und C: A liegt in München, B in St. Gallen, C seit 2001 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Die einzige Handschrift mit Bildern ist der Hundeshagensche Kodex aus dem 15. Jahrhundert, mit 37 Miniaturen, heute in der Staatsbibliothek zu Berlin — viele Bilder auf dieser Seite stammen daraus.
Danach war das Lied für Jahrhunderte vergessen. 1755 fand Jacob Hermann Obereit die Handschrift C in Hohenems wieder; 1782 erschien die erste vollständige Ausgabe. 1827 übersetzte Karl Simrock das Lied ins Neuhochdeutsche, und seine Fassung wurde die erfolgreichste — aus ihr stammen die Zitate oben. Im 19. Jahrhundert malte Julius Schnorr von Carolsfeld die Nibelungensäle der Münchner Residenz aus.
Richard Wagner schrieb den Text seines Ring des Nibelungen im Wesentlichen im Zürcher Exil, wohin er 1849 geflohen war; die erste Lesung fand 1853 im Hotel Baur au Lac statt.
Was davon frei ist, und was nicht
Das Lied, die nordische Völsunga saga, Hebbels Trauerspiel, Wagners Ring und Arthur Rackhams Bilder dazu: alles frei.
Fritz Langs Film von 1924 dagegen bleibt in der Schweiz bis Ende 2046 geschützt, weil Lang erst 1976 starb. In den USA ist er als Werk von 1924 schon frei.
Ein Stoff mit Missbrauchsgeschichte
Im 19. und 20. Jahrhundert galt das Lied als Nationalepos der Deutschen und Siegfried als Nationalheld. Das Wort „Nibelungentreue” prägte Reichskanzler Bülow 1909 für das Bündnis mit Österreich-Ungarn; gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es zum Kampfbegriff. Und die Dolchstosslegende nach 1918 spielte ausdrücklich auf den Mord an Siegfried an. Wer den Stoff heute nimmt, nimmt diese Geschichte mit.
Aus dem Text
Wörtlich aus der gemeinfreien Fassung — frei zum Zitieren, Vorlesen und Weiterverwenden.
Viel Wunderdinge melden die Mären alter Zeit / Von preiswerthen Helden, von großer Kühnheit, / Von Freud und Festlichkeiten, von Weinen und von Klagen, / Von kühner Recken Streiten mögt ihr nun Wunder hören sagen.
Es wuchs in Burgunden solch edel Mägdelein, / Daß in allen Landen nichts Schönres mochte sein. / Kriemhild war sie geheißen, und ward ein schönes Weib, / Um die viel Degen musten verlieren Leben und Leib.
Da fiel ihm auf die Achseln ein Lindenblatt so breit: / Da kann man ihn verwunden; das schafft mir Sorgen und Leid.
Als der edle Siegfried aus dem Brunnen trank, / Er schoß ihn durch das Kreuze, daß aus der Wunde sprang / Das Blut von seinem Herzen an Hagens Gewand.
Sie schwang es mit den Händen, das Haupt schlug sie ihm ab.
Hier hat die Mär ein Ende: das ist die Nibelungennoth.
Mehr Bilder, alle gemeinfrei









Was davon frei ist
Nicht die Figur ist frei oder geschützt, sondern jede Schicht für sich: der Text, die Zeichnungen, eine Übersetzung, ein Film, eine Marke. Die Tabelle zerlegt das, mit Beleg je Zeile.
| Schicht | CH | DE | AT | US |
|---|---|---|---|---|
| Das Nibelungenlied, mittelhochdeutsch, Handschriften A, B und Canonym · Anfang 13. JahrhundertOhne bekannten Verfasser, seit acht Jahrhunderten überliefert. Frei ist der Text; eine heutige Ausgabe mit Übersetzung und Kommentar ist die Arbeit ihrer Herausgeber:innen.Nibelungenlied | frei | frei | frei | frei |
| Der Hundeshagensche Kodex, die einzige bebilderte Handschriftanonym, 15. Jahrhundert · um 1440Über 500 Jahre alt, Maler und Schreiber unbekannt. Die Handschrift liegt in der Staatsbibliothek zu Berlin (mgf 855).Hundeshagenscher Kodex | frei | frei | frei | frei |
| Das Nibelungenlied, neuhochdeutschKarl Simrock († 1876) · 1827Karl Simrock | frei | frei | frei | frei |
| Die Nibelungensäle der Münchner ResidenzJulius Schnorr von Carolsfeld († 1872) · 1827–1867Schnorr starb 1872; die Wandbilder sind seit Jahrzehnten öffentlich zu sehen. Fotos davon sind eine eigene Frage.Siegfrieds Tod.jpg | frei | frei | frei | frei |
| Die Völsunga saga, die nordische Fassunganonym, isländisch · 2. Hälfte 13. JahrhundertOhne bekannten Verfasser. Dort heissen die Figuren Sigurd, Gudrun und Atli.Völsunga saga | frei | frei | frei | frei |
| Die Nibelungen, Trauerspiel in drei AbteilungenFriedrich Hebbel († 1863) · 1861Die Nibelungen (Hebbel) | frei | frei | frei | frei |
| Der Ring des Nibelungen, Text und MusikRichard Wagner († 1883) · uraufgeführt 1876Der Ring des Nibelungen | frei | frei | frei | frei |
| Die Illustrationen zum RingArthur Rackham († 1939) · 1910Rhinegold and the Valkyries p 010.jpg | frei | frei | frei | frei |
| Die Nibelungen, Film in zwei TeilenRegie Fritz Lang († 1976), Drehbuch Thea von Harbou († 1954), Musik Gottfried Huppertz († 1937) · 1924Die Nibelungen (1924) | geschützt bis Ende 2046 | geschützt bis Ende 2046 | geschützt bis Ende 2046 | frei seit 2020 |
Gerechnet für das Jahr 2026. CH, DE, AT: 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem 31. Dezember; USA: bis 1977 veröffentlicht: 95 Jahre ab Veröffentlichung (17 U.S.C. § 304); bis 1963 bei US-Werken nur mit erneuerter Registrierung, ausländische Werke sind seit 1996 auch ohne Erneuerung geschützt (§ 104A). „frei" ohne Jahr heisst: frei, aber das Jahr folgt nicht sicher aus der heutigen Regel, weil die Fristen früher kürzer waren. „offen" heisst: die Rechnung reicht nicht, der Grund steht in der Zeile.
Daraus wurde schon gemacht
- Friedrich Hebbel, Die Nibelungen Drama, 1861
- Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen Oper, 1876
- Fritz Lang, Die Nibelungen Stummfilm, 1924
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Quellen
- Das Nibelungenlied, übersetzt von Karl SimrockProject Gutenbergabgerufen 29.09.2026
- Hundeshagenscher KodexWikipedia (de)abgerufen 29.09.2026
- NibelungenliedWikipedia (de) — Handschriften, Titel, Weltdokumentenerbeabgerufen 28.09.2026
- NibelungentreueWikipedia (de)abgerufen 28.09.2026
- DolchstoßlegendeWikipedia (de)abgerufen 28.09.2026
- Friedrich Hebbel (Q57182), Richard Wagner (Q1511), Fritz Lang (Q19504), Thea von Harbou (Q58866), Arthur Rackham (Q314938)Wikidata (CC0) — Lebensdatenabgerufen 28.09.2026
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